Der Droemer Verlag veröffentlichte von Liane Bednarz

das Buch „Die Angstprediger – Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“.

Das Buch ist eine Fundgrube von Zitaten und Quellen zu Schlagworten wie der „Frühsexualisierung“ (zu der man hier im Blog auch mehr findet), „Gender-Wahn„, „Gendermainstreaming“, „Gender-Ideologie“, „Feindbild Islam“, „Ablehnung der EU“ und der in entsprechenden Kreisen weit verbreiteten Medienschelte. Hilfreich fand ich etwa den Verweis auf das Recherchenetzwerk Correctiv zum Schlagwort „Frühsexualisierung“:

>>Es „hat im Frühjahr 2017 >alle Bundesländer< abgefragt. Danach haben 15 von 16 Bundesländern verneint, das Buch Sexualpädagogik der Vielfalt auf der Literaturliste für Lehrkräfte zu haben. Einzig in Hamburg wurde es bis 2015 empfohlen, wurde dann aber von der Liste gestrichen.<< (S.103)

Correktiv komme zu folgendem Fazit:

>>Von einer >Frühsexualisierung< kann nicht gesprochen werden. Die Schüler werden vielmehr über die Gesellschaft aufgeklärt, in der sie aufwachsen.<< (S.103f)

Im Blick auf den das Schlagwort „Gender-Wahn“ beobachtet Bednarz, wie dieser Begriff auf die Sexualisierung der Gesellschaft bezogen in einem

>>Großteil des Milieus allerdings, und das ist das Merkwürdige, vornehmlich an bestimmten Reizthemen wie der Gleichstellung von Mann und Frau, der Haltung der Gesellschaft zur Homosexualität, dem Sexualkundeunterricht und der angeblichen Bedrohung der Familie fest[gemacht wird] und weniger dort, wo sie wirklich schädlich wirkt: bei fehlender Treue, namentlich beim Ehebruch und der Promiskuität.<< (S.116)

Hilfreich finde ich die Darstellung der Positionen der beiden großen Kirchen – etwa der römisch-katholischen Kirche, die

>>im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils die „Nostra-aetate-Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ angenommen hat.<< (S. 130)

Bednarz zitiert ausführlich aus dieser Erklärung und kommt zu dem Schluß:

>>Im Grunde ist die Erklärung ein Musterbeispiel dafür, wie man am Wahrheitsanspruch der Bibel festhält, ohne dabei andere Religionen herabzuwürdigen. Differenzierter geht es kaum.<< (S.131)

Auch der EKD Grundlagentext Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt in evangelischer Perspektive wird von Bednarz ausführlich zitiert und erklärt. Dann schreibt sie:

>>Auch diese Position hat mit Synkretismus nichts zu tun. Vielmehr wird auf der Vertretung der eigenen „Glaubensgewissheit“ bestanden und erst auf dieser Basis das „Gespräch mit dem Islam über die >Grundlagen der Religion und Ethik<, dann aber ausdrücklich befürwortet.<< (S. 133)

>>Und doch wird in einem Teil ihres Milieus der EKD immer wieder vorgeworfen, zu lasch gegenüber dem Islam zu sein, und die Gefahr einer „Islamisierung“ heraufbeschworen.<< (S.134)

Auch Fake-News wie die angebliche massenhafte Umbennenung von „Weihnachtsmärkten“ in „Wintermärkte“ (vgl. S.142f.) entlarvt Bednarz an Hand des Hinweises auf eine einfache Internetsuche als Mythos, ähnlich wie andere Fake News.

Für Menschen aus dem LSBTTIQ Spektrum ist dieses Buch ein gutes Grundlagenbuch, um zu verstehen, wie manche Menschen im rechtspopulistischen Bereich ticken. Es öffnet die Augen über die Vernetzung der verschiedenen rechtspopulistischen und teilweise rechtsextremen Akteure – daher empfehle ich es zum Kauf uneingeschränkt weiter.

Was bei einer nächsten Auflage wünschenswert wäre und ich dem Verlag mit auf den Weg geben möchte ist die Einarbeitung eines Namens- und Schlagwortregisters, denn nicht jeder will sich zusätzlich noch eine digitale Ausgabe kaufen.

Weiterführendes zum Buch:

UPDATE

Das Medienmagazin Pro besprach das Buch von Liane Bednarz auch – allerdings zitierte der Contra-Autor Moritz Breckner Liane Bednarz nicht korrekt und entstellte so den Sinn dessen, was sie schrieb. Gelinde gesagt finde ich so ein Vorgehen für ein „Medienmagazin“ befremdlich. Hat die Redaktion da geschlafen oder soll man davon ausgehen, dass hier bewusst sinnentstellend zitiert wurde?
Gut, wenn man die Korrektur/Klarstellung des Zitats durch Frau Bednarz selbst hier in ihrem facebook-Eintrag nachlesen kann.

Update 9/2018: Zum Kampfbegriff „Genderwahn“ bzw. „Gendergaga“ findet man hier mehr – man sieht sehr deutlich, wie rechtsextreme Ideologen diesen Begriff verwenden. Die Hauptseite „Diskursatlas“, die von Prof. Dr. Andreas Kemper verantwortet wird, möchte ich durchaus noch einmal extra empfehlen, weil viele Artikel dort sehr fundiert und informativ sind.
Es scheint mir deshalb angebracht, als Christ nicht Begriffe dieses Lagers zu verwenden, wenn man von solchen Gruppen inhaltlich Abstand halten will.

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