Am 31.3. ist Transgender Day of visibility – oder

übersetzt: Tag der Sichtbarkeit für LSBTTIQ* – oder nur „TT“ oder NVSD… Eigentlich ist es weniger wichtig, welche Begriffe man verwendet. Ich selbst verwende nach einem Vortrag von Cornelia Kunert auf der internationalen Konferenz 2016 gerne die erste-Person-Perspektive und daher NVSD. Geoutet bin ich nun seit ca. 10 Jahren – angefangen im November 2011 bei meiner Frau, dann ein weiteres Mal bei ihr im August 2012, danach ging es dann einer genauen Reihenfolge nach bei meinem Arbeitgeber weiter mit den internen Coming outs bis hin zum öffentlichen Coming out 2013 nach einem Gottesdienst in Neufahrn i.NB.

Warum ich heute schreibe: Weil in den letzten Monaten einige fundamentalistische Gruppen verstärkt Feindbilder aufbauen wollen und Menschen mit entsprechender Trans*-Biografie ihr Geschlecht absprechen. Dabei wird fleißig jede wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet. Manchmal frage ich mich, woher solche Irrationalität kommt, wenn Studien ignoriert werden und all das, was Neuroforscher zum Thema herausgefunden haben, links liegen gelassen wird.

Tröstlich fand ich da, dass es jemandem wie Prof. Dr. Christian Drosten und Prof. Dr. Sandra Ciesek in der Abschiedsfolge ihres Corona-Podcasts ähnlich ging – auch da wurde deutlich, wie sehr heute manche Imfpgegner völlig irrational handeln und wie unverständlich das renomierten Wissenschaftlern erscheint.

Gleichwohl hoffe ich weiterhin im Sinne der Aufklärung, dass sich irgendwann die Rationalität und Überzeugungskraft der Argumente gegen irrationale Behauptungen von Trans-Exklusiven-Fundamentalistinnen (die Abkürzung scheint mir passend;-) ) durchsetzen werden. Dazu habe ich hier ja andernorts genug gebloggt.

Zum TDoV erschien heute ein Artikel der deutschen Welle: https://www.dw.com/de/international-transgender-day-of-visibility-ein-immerw%C3%A4hrender-kampf/a-61292026 

Leider fehlt im Artikel von Marlon Jungjohann und bei den Künstlern der gesamte neuronale Forschungsstand und so wird fleißig weiter von „gefühltem Geschlecht“ im Gegensatz zum „zugeordneten Geschlecht“ gesprochen. Genau diese schwache Darstellung ist natürlich gefundenes Fressen für Kritiker:Innen, die sagen, dass man sich ja als alles mögliche „fühlen“ kann, aber es eben nicht ist. Ich finde es sehr schade, wenn Medienvertreter immer noch nicht ihre eigene Sprache reflektieren und so einmal mehr transphoben Kräften Auftrieb geben.
Denn eigentlich sollte spätestens seit dem Jahr 2016 klar sein: Wenn das wichtigste Geschlechtsorgan „zwischen den Ohren sitzt“ (derjenige, von dem das Zitat stammt, Prof. Milton Diamond ist Biologe), dann war die Zuordnung des Geschlechts nach der Geburt eben ein Irrtum und die Selbstaussage eines Menschen auf Grund des neuronal verankerten Wissens, dem „Geschlecht in mir“ (wie es der Buchtitel von Gerhard Schreibers Buch auf den Punkt bringt) ist das zentrale Kriterium beim Thema Geschlecht. Wenn die Selbstaussage „Ich bin eine Frau“ oder „Ich bin ein Mann“ oder „Ich bin nichtbinär“ nicht akzeptiert wird, dann respektiert man weder die Würde dieses Menschen (Art. 1 GG) noch gesteht man demjenigen dann meistens die nötigen rechtlichen und medizinischen Schritte zu, damit die Geschlechtskörperdiskrepanz verringert oder aufgehoben werden kann. Und „seins-Aussagen“ aus der ersten Person Perspektive sind etwas anderes als „sich fühlen als…“. Das verstehen hoffentlich auch mal irgendwann die Mehrheit der Medienvertreter.

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1 Antwort zu Am 31.3. ist Transgender Day of visibility – oder

  1. Helga Hedi Denu sagt:

    Ja

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