ein problematischer Referentenentwurf zum neuen Transsexuellengesetz

ist nun veröffentlicht. Er wird von Betroffenen und Verbänden abgelehnt. Den Entwurf findet man auf Julia Monro´s Blog hier (unten auch als .pdf zum Download!) veröffentlicht oder kann ihn hier downloaden – auch das Begleitschreiben zum Referentenentwurf kann man hier downloaden. Noch eine Anmerkung: Ich verwende im Text die Abkürzung „VÄ/PÄ“ für Vornamens- und Personenstandsänderung, d.h. die rechtliche Seite einer Geschlechtsangleichung.

Es gibt inzwischen zwei Petitionen gegen den Referentenentwurf:

  • bei Openpetition hier
  • bei Change.org hier zur Petition gibt es im Tagesspiegel einen lesenswerten Artikel von L. Giese.
  • Zusammen haben beide Petitionen seit dem 9.5.2019 schon über 15.000 Unterschriften bekommen (Stand: 11.5.2019, 19.47 Uhr)!
  • Update v. 13.5.2019, 13.17 Uhr (Openpetition 4654 und 19138 Unterschriften bei Change.org) mehr als 23790 Unterschriften!
  • Update: Warum die Bundesregierung meint, trans- und intersexuelle Menschen rechtlich anders behandeln zu dürfen liegt an einem kleinen Satz, den ich am Ende dieses Blogartikels zitieren werde…
  • Update 15.5.: über 25000 Unterschriften und zwei wichtige Stellungnahmen von Juristenverband und Psychotherapeutenkammer sind online. Mehr dazu hier!
  • Update 17.5.: Es gibt nun Medienberichte, dass die Verabschiedung des Referentenentwurfs auf Grund der Proteste verschoben wurde – ob nun die Betroffenen besser und ausführlicher beteiligt werden? Eigentlich gibt es ja schon entsprechende Entwürfe für ein besseres Transsexuellenrecht (IMAG Entwurf, Selbstbestimmungsgesetz der Grünen) und eine reine kosmetische Verbesserung des Entwurfs nützt nichts. Es braucht Qualität bei Gesetzen! Wir erwarten Gleichbehandlung und ähnlich einfache Möglichkeiten, den Vornamen und Personenstand zu ändern, wie es intersexuellen Menschen gemäß §45b Personenstandsgesetz auch möglich ist. Es gibt keinen Grund dafür, transsexuellen Menschen höhere Hürden aufzuerlegen! Am 19.5. (Stand 12.45 Uhr) sind es schon über 31200 Unterschriften in beiden Petitionen!

Auch die Antidiskrimierungsstelle des Bundes hat sich in einer Stellungnahme kritisch zum Entwurf geäußert.
Update 11.5.2019: Auch die SPDQueer hat den Entwurf von Dr. K. Barley und H. Seehofer bzw. deren Ministerien deutlich kritisiert – hoffentlich wird die Kritik gehört!
Im Blog des Freitag gab es hier eine ausführliche Kommentierung. Beim Tagesspiegel findet man hier einen Beitrag.

Unsere Kritik:

  • Es gibt nicht genug Zeit (2 Tage) für mündige Bürgerinnen und Bürger + Verbände , zu reagieren. In unserem Verein Kreuzweise-Miteinander e.V. reichte die Zeit nicht aus, um eine konstruktive Kritik/Stellungnahme zu formulieren. Wir arbeiten ehrenamtlich und es ist eine Zumutung, wenn Menschen sich ehrenamtlich engagieren, so wenig Zeit zu geben für eine Stellungnahme. Die Art von Zeitvorgaben für eine Beteiligung von Verbänden und Vereinen ist zwar in Pseudo-Demokratien a la Orban verständlich, aber für eine Volkspartei unwürdig.
  • Die rechtliche und medizinische Seite einer Geschlechtsangleichung werden nicht klar getrennt, obwohl es keinerlei Notwendigkeit gibt, diese zu vermischen. Oder warum sonst braucht es eine Beratung durch Psychiater und Psychotherapeuten (§2 GIBG S. 14), wenn man die beiden Seiten einer Geschlechtsangleichung klar trennen will?
  • Die Anhörung von Ehegatten vor Gericht (§ 409d, S.12) ist nicht nötig und schon gar nicht im Gesetz zu verankern. Wenn ein Ehepartner die Vornamens- und Personenstandsänderung des anderen Partners ablehnt, kann er dem Gericht bei der Anhörung irgendwelche Dinge erzählen, um die VÄ/PÄ zu verhindern (es gibt bereits entsprechende Fälle). Das erhöht das Leid und die Komorbiditätsrate von Menschen mit NVSD und damit die volkswirtschaftlichen Kosten für die medizinische Versorgung der Betroffenen. Die Berücksichtigung von Ehegatten fördert die Bevormundung und hat mit GG Art2 nichts zu tun. Wenn Ehepartner die Ehe auch nach einer VÄ/PÄ weiter aufrecht erhalten, ist das eine persönliche Sache der Ehepartner. Wenn es dagegen Streit und eine Trennung gibt, muss nicht auch noch unnötig bei der VÄ/PÄ einem Betroffenen ein zusätzliches Hindernis in den Weg gelegt werden.
  • wissenschaftliche Fakten der Neuroforschung zum Thema Transsexualität / NVSD werden völlig ignoriert (z.B. wird die dualistische Trennung von „biologisch eindeutigem Geschlecht“ und „sich jedoch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen“ weiter aufrecht erhalten, obwohl das aus neurobiologischer Sicht absoluter Unfug ist). Man sollte vor so einem Entwurf sich lieber mal über den Stand der Forschung informieren, wie er z.B. im neuen preiswerten Taschenbuch „Das Geschlecht in mir“ von Dr. Gerhard Schreiber dargestellt wird.
  • Das Gatekeeping d.h. die Bevormundung und Fremdbestimmung transsexueller Menschen wird weiter beibehalten, denn nur Psychiater und Psychotherapeuten dürfen laut Entwurf (S.14, §2 (2) des Gesetzes über die Beratung zur Geschlechtsidentität) Beratung machen (und zwar diejenigen, die bisher schon die Gutachten geschrieben haben).
    Dafür gibt es dazu aus rechtlicher Sicht keinerlei Grund, denn auch konservative Psychiater gehen nicht mehr davon aus, das Transsexualität eine psychische Krankheit ist – so sieht es auch die WHO in der neuen ICD11 Leitlinie zum Thema Geschlechtsinkongruenz.
    Es ist absolut nicht rational nachvollziehbar, warum eine bestimmte Berufsgruppe qua Gesetz ein Beratungsmonopol in diesem Arbeitsfeld gesichert bekommt. Das kostet letztlich Geld (auch wenn die Beratung laut §1 angeblich kostenfrei ist – aber jemand muss ja die Berater bezahlen…).
    In anderen Ländern der EU braucht man zu einer Vornamens- und Personenstandsänderung keinerlei Zwangsberatung (z.B. Malta, Irland, Dänemark, Belgien, Portugal…). D.h. es gibt im Vergleich mit anderen Ländern der EU keinerlei überzeugende Begründung, warum bei uns so einer Zwangsberatung in einem Gesetz verankert werden muss. Seltsam, wenn Frau Dr. Barley nun für das Europaparlament kandidiert und darüber nicht informiert ist – oder wie sonst begründet ihr Ministerium eine Sonderregelung für Deutschland im Blick auf Beratungszwang?
    Die Gebühr für das Gericht von 146 Euro (s. Entwurf S. 29) reicht aus, um eine VÄ/PÄ (Vornamens- und Personenstandsänderung) aus Spaß zu verhindern.

    Wenn man unbedingt eine Beratung will, dann sollte diese auf keinen Fall mit mehr Aufwand verbunden sein als bei einer Schwangerschaftskonfliktberatung – und eben auch für andere professionelle Berater möglich sein (z.B. Sozialpädagogen, Trauerberater, Pfarrerinnen und Pfarrer, die in der Seelsorge mit dem Thema zu tun haben, Mitglieder von Vereinen und Verbänden, die sich im Blick auf Beratung qualifiziert haben).

  • Es teilt Menschen in drei Gruppen ein, ohne dafür eine wissenschaftliche Begründung der Notwendigkeit zu liefern: „Cis-Menschen“, die keinen Bedarf an einer Änderung des Vornamen- und Personenstands haben, „Trans-Menschen“ bzw. „Transgeschlechtlichkeit“ (S.11), die eine VÄ/PÄ brauchen und „Inter-Menschen“  („Änderung des Geschlechtseintrags bei Intergeschlechtlichkeit“ S.4), die nicht nach diesem Gesetzesentwurf, sondern nach dem §45b Personenstandsgesetz eine VÄ/PÄ durchführen sollen/können.
    Schade, dass durch die Berichterstattung in den Medien sowie das Wording etlicher Verbände dieses Schubladendenken nun vielleicht Einzug in einen Gesetzentwurf findet, der keineswegs besser ist als das, was bisher da war.
    Die Aufteilung von Menschen in diese drei Gruppen ist biologisch gesehen überholt – denn es handelt sich bei Transsexualität wie Intersexualität um eine angeborene Variante der sexuellen Entwicklung. Transsexualität ist eine angeborene neuronal verankerte Variante der sexuellen Entwicklung, Intersexualität ist eine angeborene Variante der sexuellen Entwicklung und in vielen Bereichen (z.B. Hormonstatus, DNA-Fehler) gibt es Überschneidungen d.h. eine scharfe wissenschaftliche Trennung der beiden Gruppen ist nicht durch Studien mit hoher Qualität nachweisbar.
  • Was im Blick auf Geschlecht gelten soll sind „körperliche Geschlechtsmerkmale“ also „Erbanlagen“, „hormonelle Anlagen“ und das „Genitale“. (S.4) Die neurowissenschaftliche Sicht wird völlig ausgeblendet! Dabei sitzt das zentrale Geschlechtsorgan „zwischen den Ohren“ (M. Diamond). Auch Frauen ohne Gebärmutter sind Frauen – weil sie es von sich selbst wissen und dieses Wissen neuronal verankert ist. Gleiches gilt für Männer, die ihren Penis bei einem Unfall verloren haben.
  • Die Kosten für das Verfahren werden auch nicht geringer, denn die Zwangsberatung „Geschlechtsidentitätsberatungsgesetz“ (S.5) kostet ja weiterhin Geld für die Berater, auch wenn in §1 steht, dass die Beratung kostenfrei sein soll. Aber es wird nicht dargelegt, wer die Berater bezahlt. Es ist volkswirtschaftlich unsinnig, ein Beratungsnetzwerk zu finanzieren, wenn es keinerlei wissenschaftliche Notwendigkeit für so eine Beratung gibt.
  • Wenn von einem „eindeutig weiblichen oder männlichen Körperbild“ die Rede ist, dann gewinnt man den Eindruck, hier ist ein Gedankengut der NS-Zeit am Werk, das ähnlich wie damals Menschen nach optischen Eindrücken (damals sprach man von Rasse) einsortiert. Es fehlt jede wissenschaftlich seriöse Begründung für diese Behauptung und es ist unsäglich, wenn die Würde des Menschen in einem Gesetz durch solche Formulierungen in Frage gestellt wird und man die freie Entfaltung der Persönlichkeit (§2 GG) mit solche Pseudo-Argumenten einschränken will.
  • Es erstaunt, wenn das, was Dr. Franziska Giffey, die einmal sagte: >>Für mich steht das Selbstbestimmungsrecht jeder und jedes Einzelnen im Mittelpunkt. Ich sehe keinen Grund, weswegen Menschen vor einem Personenstands- oder Vornamenswechsel zwei Gutachten durchlaufen und in einem sogenannten ‚Alltagstest‘ beweisen sollten, dass sie dem ‚Gegengeschlecht‘ angehören. Über die eigene Geschlechtsidentität kann nur jeder Mensch selbst Auskunft geben. Darum ist auch wichtig, dass Kinder nicht operiert werden, nur um ihr Geschlecht anzugleichen. Ich arbeite dafür, dass das Transsexuellengesetz durch ein modernes Gesetz zum Schutz und zur Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt ersetzt wird.<< (so ein wörtliches Zitat vom BMFSJ (eingesehen am 11.5.2019)) nun anscheinend nicht mehr gilt. Glaubwürdige Politik sieht anders aus. Aber anscheinend reicht es manchen Politikern noch nicht, wenn die Umfragewerte ihrer Parteien dauernd weiter sinken…?
  • Die Altersgrenze von 14 Jahren, bis zu der die Eltern alleine über eine Vornamens- und Personenstandsänderung nach dem neuen Transsexuellenrecht entscheiden dürfen, ist zu hoch angesetzt. Wer das Pech hat, eine fundamentalistisch-religöse Mutter oder einen Vater zu haben, die eine VÄ/PÄ ablehnen, muss warten. (vgl. S6 zu §1631e und Seite 25 oben).
    Die Pubertät macht Betroffenen sehr klar, wer sie sind – denn die Geschlechtskörperdiskrepanz ist ab der Pubertät massiv. Die Pubertät setzt aber oft schon mit 10 Jahren ein. Wenn man eine Altersgrenze braucht, dann maximal mit Vollendung des 9. Lebensjahrs. Besser noch wäre eine Koppelung der VÄ/PÄ bei Kindern an die Erlangung der Einwilligungsfähigkeit. Ansonsten fördert man ggf. das Entstehen von Depressionen und erhöht die Komorbiditätsrate bei Jugendlichen, die sich selbst als transsexuell oder transident oder Transgender bezeichnen. Das aber kostet die Versichertengemeinschaft unnötig Geld.
  • Eine dreijährige Frist bis zu einer erneuten Antragstellung ist nicht plausibel begründbar. Es gibt zwar nur weniger als 1 Prozent Regretter, aber die sollen nicht so lange warten müssen, eine Fehlentscheidung zu korrigieren. Die Gerichtsgebühr von 146 Euro verhindert Spaß-VÄ/PÄ schon ausreichend. Dazu kommt ja, dass nach einer VÄ/PÄ alle Dokumente geändert werden müssen und das erfordert auch Zeit und Geld und ist ein Grund, sich genau zu überlegen, ob man eine Vornamens- und Personenstandsänderung will oder nicht.

Wir fordern daher alle Abgeordneten des deutschen Bundestags auf, diesen Entwurf abzulehnen und für ein besseres Transsexuellenrecht als es in diesem Referentenentwurf vorgelegt wurde in offener namentlicher Abstimmung einzutreten! Es gab viel bessere Vorschläge für ein neues Transsexuellenrecht im Zusammenhang der Rechtsgutachten, die von der IMAG beauftragt waren. Man soll bitte diese Entwürfe aufgreifen.

Update: Mehr zum Thema Personenstandsrecht gibt es im Vereinsforum von Kreuzweise-Miteinander e.V. – diese Rubrik ist auch für Nichtmitglieder zur Registrierung geöffnet. Mehr dazu gerne per Mail via Kontaktformular auf www.familie-zwoelfer.de oder via facebook-Nachricht an mich.

Update 13.5.2018 In einer kleinen Anfrage an den Bundestag und der Antwort darauf findet sich ein bemerkenswerter Satz:

„Das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot ist nur dann verletzt, wenn Gleiches ungleich behandelt oder wesentlich Ungleiches gleich behandelt wird.“ (S.5 zu Frage 8)

Das ist die Position der Bundesregierung, die aus einer Antwort
der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sven Lehmann, Monika Lazar, Ulle Schauws, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 19/9002 – Auswirkungen und Umsetzung des Gesetzes zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben („Dritte Option“) hervorgeht.

Damit wäre es Aufgabe der Biologen, Humanwissenschaftler und Mediziner sowie entsprechender Fachjournalisten zu zeigen, dass Transsexualität wie Intersexualität beides nicht „wesentlich ungleich“ ist, sonder „wesentlich gleich“ im Blick auf die Genese im Mutterleib. Beides sind Varianten der sexuellen Entwicklung. Woher nimmt die Bundesregierung die Überzeugung, dass die Kategorien „Transsexualität“ und „Intersexualität“ wesentlich ungleich sind und ein Sondergesetz für transsexuelle Menschen rechtfertigt?

Update: Der Deutschlandfunk (Deutschlandfunk Nova) berichtete inzwischen auch über das Thema.

 

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das neue Personenstandsgesetz (PStG) ermöglicht transsexuellen

Menschen bzw. Personen, die sich als NVSD bezeichnen,
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Exkurs: NVSD steht für „neuronal variants of sexual development“ oder übersetzt: „Neuronale Varianten geschlechtlicher Entwicklung“ – mehr dazu im Aufsatz „Neuronale Varianten geschlechtlicher Entwicklung (NVSD) – Zur Neurophänomenologie geschlechtlicher Leibkörperdiskrepanzen und der Kongruenzdynamik leibkörperlichen Erlebens“ von Dr. Claudia Cornelia Haupt genauer beschrieben (erscheint im Mai 2019 in G. Schreiber, Das Geschlecht in mir; DeGruyter Taschenbuch)

einen unkomplizierten Wechsel von Vornamen und Personenstand – d.h. die Ausweisänderung ist damit viel einfacher und günstiger als mit dem bisherigen Verfahren nach dem Transsexuellengesetz.
Einen ausführlichen Artikel dazu schrieb Juliane Löffler für Buzzfeed.
Einen Kommentar dazu gab es auf der Facebook-Seite von Kreuzweise-Miteinander e.V.
Julia Monro vom BVT* gab dazu ebenfalls ein längeres Interview. Sie ist auch bei der DGTI aktiv und recherchiert selbst zu den Folgen des neuen §45b PStG. Auf ihrer neuen Website (http://www.pstg45b.de/)findet man sehr viele lesenswerte Informationen zum §45b PStG inkl. fachlicher Hinweise für Mediziner, die transsexuellen Menschen bzw. NVSD helfen können oder wollen, die Absurditäten des Transsexuellengesetzes sich zu ersparen.
Der Nachteil des neuen Verfahrens nach §45b PStG gegenüber dem bisherigen Verfahren nach dem Transsexuellengesetz ist m.E. vor allem darin zu sehen, dass es kein Recht gibt, frühere Zeugnisse auf den neuen Namen umschreiben zu lassen. D.h. wer schon älter ist und z.B. das Schlußzeugnis der Schule ändern will, sollte ggf. doch noch mit der Vornamens- und Personenstandsänderung abwarten, bis auch das Transsexuellengesetz endlich an den Stand der Rechtswissenschaft bzw. Biologie / Neuroforschung angepasst wurde. Entsprechende Rechtsgutachten, die eine Änderung anmahnen, liegen der Bundesregierung ja schon seit einiger Zeit vor.

Manche Verbände warnen vor der Inanspruchnahme des §45b PStG, weil man ohne Gutachten kaum eine Chance hat, Operationen von den Krankenkassen bezahlt zu bekommen. Doch ist diese Angst berechtigt? Unser Staat hat offiziell die rechtliche und die medizinische Seite einer Geschlechtsangleichung voneinander getrennt und auch das Bundesverfassungsgericht betonte, dass beide Seiten (VÄ/PÄ einerseits – medizinische Maßnahmen andererseite) einer Geschlechtsangleichung voneinander unabhängig möglich sein müssen. Julia Monro betont daher auf ihrer Website unter Zitierung des MdK (medizinischen Dienstes der Krankenkassen) dazu zu Recht:

„Die einzige Voraussetzung zur Genehmigung medizinischer Leistungen basiert auf einer Diagnosestellung. Ein rechtlicher Verwaltungsakt darf keine Voraussetzung für Leistungspflicht sein.“ 

Das Bundesverfassungsgericht schreibt in einer Begründung der Ablehnung einer Verfahrenseröffnung zur TSG Begutachtung:

„Der Senat hat dem in §4Abs.3 TSG geregelten Begutachtungserfordernis nicht den Zweck beigemessen, eine transsexuelle Person durch fachliche Begutachtung therapeutischer Behandlung ihrer vermeintlichen Krankheit zuzuführen, um sie etwa von ihrem Wunsch des Geschlechtswechsels abzubringen.“ (Quelle des Zitats: Absatz 9)

und weiter unten heißt es:

Ob die Betroffenen den Prozess des Geschlechtswechsels mit therapeutischer Begleitung durchlaufen wollen oder nicht, ist in dessen allein ihre eigene Entscheidung, zu der sie nicht etwa durch die Begutachtung nach §4Abs.3 TSG hingeführt werden sollen. Der Senat hat das Begutachtungserfordernis nach § 4 Abs. 3 TSG hiermit nicht in Zusammenhang gestellt. (ebd.) […]

Außerdem darf das Gutachtenverfahren nach §4Abs.3 TSG nicht dazu genutzt werden, die Betroffenen zu einer therapeutischen Behandlung ihrer (als vermeintliche Krankheit begriffenen) Transsexualität hinzuführen. (Quelle des Zitats im Absatz 12)

Dr. Claudia Haupt (in: Altdorfer Empfehlungen oder Sie sind ihr Gehirn…) und das Team von trans-evidence plädieren deshalb für ein individuelles Case-Management, d.h. individuelle Lösungen für den medizinischen Teil einer Geschlechtsangleichung. Ähnlich sieht es auch das Bundesverfassungsgericht:

Für erforderlich werden deshalb individuelle therapeutische Lösungen erachtet, die von einem Leben im anderen Geschlecht ohne somatische Maßnahmen über hormonelle Behandlungen bis hin zur weitgehenden operativen Geschlechtsangleichung reichen können (m.w.N. Pichlo, a.a.O., S. 119, 122; Rauchfleisch, Transsexualität – Transidentität, 2006, S. 17; Becker, a.a.O., S. 153 <180, 181>). (Quelle des Zitats im Absatz 36)

 

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zu Androcur bzw. CPA erschien in der SZ ein lesenswerter Artikel

Charly Kowalczyk hat gründlich recherchiert, wie CPA erforscht wurde und welche Medikamententests damals ohne Wissen der Eltern an behinderten Menschen durchgeführt wurden. Der Artikel zeichnet ein Bild der Pharmaindustrie aber auch der Diakonie, das einem zu denken gibt.
Es gibt ja immer noch viele Endokrinologen, die CPA bzw. Androcur bei der Hormontherapie transsexueller Frauen empfehlen. Vielleicht sollten diese Mediziner mal den Artikel lesen und sich Gedanken darüber machen, ob so ein Medikament aus ethischen Gründen wirklich zu empfehlen ist? Es gibt ja Alternativen bei der HRT, zu denen man hier auch einiges an Material findet…

Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es inzwischen Ansätze, genauer hinzuschauen. An anderer Stelle wurde in diesem Blog ja schon über das Androcur-Review berichtet, zu dem nun das Review Protokoll von Cochrane anerkannt wurde. Endokrinologen wie auch betroffene transsexuelle Menschen sollten sich dazu auf dem Laufenden halten. In diesem Blog wird dazu mehr berichtet werden.

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Auch wenn die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase

in diesem Blog bislang kein Thema ist – dieser Artikel von Joachim Müller-Jung (FAZ) zeigt einmal mehr, wie hilfreich es ist, wenn man sich mit Grundlagen der Epidemologie auseinandersetzt (zum Begriff habe ich ja in diesem Blog anderswo schon mehr geschrieben). Das von 100 Lungenärzten herausgegebene Papier scheint jedenfalls aus fachlicher Sicht wenig von evidenzbasierter Arbeit, sondern aus eminenzbezogener Sicht gestaltet zu sein.

Joachim Müller-Jung zitiert Prof. Dr. Nino Künzli:

„Köhler, Hetzel und Co. verfügen über keinerlei epidemiologische Ausbildung, die sie dazu befähigen würde, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Umweltepidemiologie sachkundig zu beurteilen.“ […] „Der Beitrag der epidemiologischen Forschung ist zu den Fragen der Luftverschmutzung von zentraler Bedeutung. Zum Beispiel kann die Frage, ob Kinder, die an schadstoffbelasteten Adressen wohnen, eine verlangsamte oder unvollständige Lungenentwicklung erleben, nur epidemiologisch erforscht werden.“ […] „Der Stickoxid-Grenzwert der EU erfüllt die Empfehlungen der WHO. Wer ihre Aussetzung per richterlichem Dekret fordert, handelt unethisch, da dadurch eine zentrale Errungenschaft der Prävention und der Erhaltung von Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird. Die Feinstaub-Grenzwerte der EU sind hingegen viel zu hoch angesetzt. Seit Jahren weigert sich die EU – stark beeinflusst von Deutschland – die WHO-Richtwerte in die Direktive zu übernehmen.“

Auch der gesamte restliche Artikel ist eine Fundgrube für alle, die sich mit epidemiologischen Fragen auseinandersetzen bzw. sich darin einarbeiten wollen. Prädikat: Sehr lesenswert! Danke!

 

 

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Bürger des Himmels

Ein Brief, den ich neulich bekam, machte mich

nachdenklich. Er war von Sonja Kolb, der ersten Vorsitzenden des Zwischenraum e.V., bei dem ich Mitglied bin und hatte das Thema „Bürger des Himmels“. Mit Ihrer freundlichen Genehmigung (und der Zustimmung des Vorstands von Zwischenraum e.V.) darf ich ihn hier rebloggen – d.h. weitergeben.

Sie beschreibt darin die Erfahrung vieler Christen, die nach ihrem Coming out in einer Gemeinde Probleme bekamen und nun auf die Frage „Geht ihr in eine Gemeinde?“ oft nur eine negative Antwort haben. In evangelikal geprägten Gemeinden, aber auch in der orthodoxen und katholischen Kirche scheint mir das leider besonders häufig der Fall zu sein. Dabei sind es oft evangelikal geprägte Christen, die das Thema Gemeindeaufbau im Fokus haben. Wie passt das zusammen?

Ich erlebe es genau wie Sonja Kolb es beschrieb: Uns trägt vor allem der Glaube – der Glaube an einen Gott, der uns so annimmt und liebt, wie wir sind und der uns das Bürgerrecht im Himmel schon verliehen hat – ein für allemal durch Jesu Tod am Kreuz. Mit dem „Bodenpersonal“ Jesu dagegen gibt es immer wieder Probleme, wenn man ein Coming out hinter sich hat. Da gibt es welche, die homosexuelles Verhalten als „Sünde“ bezeichnen und dabei einige Bibelstellen herauspicken, die das ihrer Meinung nach belegen. Historisch-kritische Forschung wird dabei leider genauso oft ausgeblendet wie grundlegende systematisch-theologische Fragestellungen. Zum Beispiel die Frage, ob es Sünden gibt, die schwerer wiegen als andere?
Jesus unterschied bei den Sündern nicht nach „Todsünden“ und „lässlichen Sünden“. Er starb für alle Sünder und seine Erlösungstat am Kreuz gilt allen, die an ihn glauben. 

Darum ist es wichtig, im innerchristliche ökumenischen Dialog uns auf die Bedeutung von Jesu Tod und seine Auferstehung zu beziehen. Eine Bibelstellenpickerei, die sich nur die Bibelstellen herauspickt und dann auf LSBTTIQ bezieht, die deren „Sündhaftigkeit“ betont, aber nicht vor der eigenen Haustür kehrt, gleicht dem, was Jesus im Gleichnis vom „Splitter und Balken“ betont (Mt 7,1ff).
Jesus lädt alle Menschen zur Umkehr ein – und er macht das dort, wo Umkehr auch möglich ist – also in den Bereichen, die wir als Menschen bewusst verändern können, wenn wir es wollen. Zum Beispiel beim Geiz, bei Ehebruch, bei der Lieblosigkeit und vielen anderen menschlichen Schwächen.
Wenn Gottes heiliger Geist einen Menschen erfüllt, dann wird er von den „Werken des Fleisches“ ablassen und „Früchte des Geistes“ bringen (vgl. Gal 5,16-26).

Allerdings ist die Frage, ob und wie ein Mensch Verantwortung übernehmen kann für sein Leben und was letztlich vielleicht neuronal so verankert ist, dass es de fakto nicht veränderbar ist und daher auch bei der Einladung zur Umkehr nicht Thema ist bzw. sein kann.
Bei Transsexualität gehen immer mehr Neurowissenschafter von einer vorgeburtlichen Verankerung in neuronalen Strukturen aus (NVSD: neuronale Variation der sexuellen Entwicklung bzw. in englischer Sprache neuronal Variation of sexual development). Dazu habe ich hier im Blog ja schon viel geschrieben.
Auch lesbische und schwule Menschen spüren am eigenen Leib oft, dass sogenannte „Konversionstherapien“ nichts bringen und entsprechende Angebote mit wissenschaftlicher Seriosität nichts zu tun haben. Wissenschaftliche Fragestellungen und neue Sichtweisen auf „heilige“ Texte sind aber bei der Sexualethik genauso relevant, wie alte Überlieferungen. Bei der Auslegung der Bibel gilt es, nicht nur das „Alte“ (Mt 13,52) aus dem Schatz des Glaubens herauszuholen, sondern auch neuen Sichtweisen (vgl. Mt 13,52) nicht gleich Häresie zu unterstellen. Man sollte vielmehr prüfen, ob sie im Sinne Jesu sind. Dabei geht es letztlich um die Frage: Was ist der innere Sinn eines Gebots bzw. einer Satzung? (vgl. Mt 15,1-20 – zu „Unzucht“ hier ein lesenswerter Artikel.)
Entscheidend ist auch bei der Schriftauslegung das, was Jesus selbst als höchstes Gebot, also Maßstab auch für die Auslegung der Bibel, verstand: Das Doppelgebot der Liebe (vgl. Mt 22,36-40) – und Jesus macht nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Stellen des Neuen Testaments deutlich:
Diese Liebe bezieht sich nicht nur auf Gott, nicht nur auf die eigene Gemeinde oder die „Brüder“, sondern auf alle Menschen, sogar auf die Feinde (vgl. Mt 5,43-48).
Und bei diesem höchsten Gebot fordert er seine Jünger zur „Vollkommenheit“ (Mt 5,48) auf!
Dieses Liebesgebot wird im Neuen Testament selbst Maßstab für neue Fragestellungen und Auslegung der Bibel – auch im Bereich der Sexualität!

Das sieht man zum Beispiel an der Frage, ob das Gebot der Beschneidung für Christen genauso gelten soll wie für die, die schon immer im Judentum verankert gewesen sind. Oder man sieht es an der neuen Stellung der Eunuchen, wie sie an der Beispielgeschichte in Apostelgeschichte 8 klar wird. Während in den 5 Büchern Mose zu finden ist, dass Eunuchen (Lutherübersetzung: „Verschnittene“) nicht zur Gemeinde gehören dürfen, zeigt Apg 8, dass der Kämmerer aus dem Morgenland unbedingt getauft werden soll – und damit Vollmitglied in der christlichen Kirche sein darf! Das – ist nicht nur eine Idee des Philippus – so Apg 8, sondern Wirken des Geistes!

Angesichts solcher innerbiblischen Veränderungsprozesse und neuer Sichtweisen im Blick auf eine Sexualethik sollten Christen, denen die Bibel (sola scriptura) und der Glauben (sola fide) wie auch Jesus Christus (solus christus) wichtig sind, auch ihre Haltung gegenüber LSBTTIQ überdenken und ggf. umkehren und ein neues Miteinander suchen, damit künftig Christen nach einem Coming out sich in möglichst vielen Gemeinden eingeladen fühlen.

Auch wenn wir beim Liebesgebot immer wieder scheitern – wir sind alle eingeladen, umzukehren und neu anzufangen!

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Sehr treffend konnte man in der Süddeutschen Zeitung folgenden

Satz lesen:

Fachverstand und Intelligenz sind geschlechtslos – schon darauf hinzuweisen, ist im Grunde sexistisch.so Thomas Hahn.

Ein Artikel, der es auf den Punkt bringt und der natürlich auch im Blick auf transsexuelle/transidente Menschen bzw. Menschen mit Variationen der Geschlechtsentwicklung gelten sollte. Besonders im Blick auf den Fachkräftemangel wäre es gut, wenn Arbeitgeber sich mit solchen Fragen der Diversity im Betrieb und der Einstellung transsexueller Menschen auseinandersetzen.
Fachverstand hat mit TS/TI/TG nichts zu tun – so weit die Theorie. Die Praxis zeigt aber, wie wir davon in Deutschland noch weit entfernt sind, denn:

  • das Transsexuellengesetz (TSG) gilt immer noch und legt denen, die ihren Vornamen- und/oder Personenstand ändern wollen viele unnötige Hürden in den Weg. Das kostet sowohl den Betroffenen als auch Arbeitgeber und Angehörige viele überflüssige Ressourcen.
  • der Zugang zu medizinischer Unterstützung ist nach wie vor durch das Gatekeeping von Psychiatern ein Problem – die neue AWMF Leitlinie zum Thema TS bzw. „Geschlechtsdysphorie“ wurde von Psychiatern erstellt und diese haben nach wie vor eine Deutungshoheit. So wird zum Beispiel die Überweisung zur Hormonbehandlung immer noch durch einen Psychiater ausgestellt – anstatt durch den Hausarzt.  Doch warum – so fragen sich nicht nur Betroffene, sondern auch Arbeitgeber – braucht es für eine Diagnostik Psychiater?
    Schließlich redet auch die WHO nicht mehr von einer psychischen Krankheit, wenn es um Transsexualität geht – aber in der Community gibt es weiterhin genug Beispiele von Menschen, denen vom MdK die Einhaltung von Fristenregelungen auferlegt wurde (wie es sie eigentlich durch die neue Leitlinie nicht mehr geben sollte). Auch solche Fristenregelungen verursachen zusätzliche Komorbiditäten und sind daher aus volkswirtschaftlicher und Arbeitgeber-Sicht kontraproduktiv!
    Was nützen AWMF-S3-Leitlinien, wenn sie für den MdK keine Rolle spielen und man erst auf dem Klageweg ihre Einhaltung einfordern muss? Warum verankert der Gesetzgeber die Leitlinien nicht im Sozialgesetzbuch? Braucht es weiterhin mehr Menschen, die krank werden und der Solidargemeinschaft Geld kosten, bis irgendwann die Politik nachzieht? Oder mehr Berichte über die mangelhafte Gesundheitsversorung von Menschen mit TS/TI/NIBD? Ist der Fachkräftemangel noch nicht so stark, dass rational denkende Menschen sich mit Betroffenen solidarisieren und Veränderungen in der Politik anmahnen?
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Der Fachkräftemangel lässt manch einen

transsexuellen (TS) / transidenten (TI) Menschen fragen, warum die Arbeitslosigkeit unter TS/TI im Vergleich zu anderen Gruppen der Bevölkerung doch relativ hoch ist. Sicherlich liegt es in etlichen Fällen an mangelhaften Informationen in kleinen und mitteleren Betrieben zum Thema Transsexualität bzw. NIBD. Darum blogge ich ja schon seit einiger Zeit dazu.
In einem Artikel der Antidiskriminierungsstelle des Bundes werden die Probleme von TS/TI bzw. trans* Menschen dargestellt:

„In einem Bericht für die Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission wird aufgezeigt, dass trans* Personen in Europa massiver Diskriminierung in Form von Drohungen, Ausgrenzungen, sozialem Ausschluss, Spott, Beleidigungen, sowie physischer und sonstiger Gewalt ausgesetzt sind. Dies betrifft alle Bereiche des täglichen Lebens, den Zugang zu Bildung und anderen Gütern und Dienstleistungen sowie das Arbeitsleben. Laut einer Studie der europäischen Grundrechteagentur FRA haben die Hälfte der Befragten (54 Prozent) angegeben, wegen ihres trans* Seins im Jahr vor der Umfrage diskriminiert worden zu sein. Ebenfalls rund die Hälfte der Befragten gab an, in diesem Zeitraum Gewalt wegen ihres trans* Seins erfahren zu haben. 44 Prozent erlebten mehr als zwei Mal Gewalt. Auch beim Zugang zum Arbeitsmarkt und bei Karrierechancen werden trans* Personen benachteiligt. Sie sind deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen und erfahren Benachteiligungen im Beruf – z.B. Gehaltskürzungen nach erfolgter Geschlechtsangleichung oder Hindernisse beim beruflichen Aufstieg.“

Auch Lena Balk, CEO eines mittelständischen Unternehmens hat sich zum Thema Arbeitslosigkeit von TS/TI bei der Karrieremesse Sticks&Stones in einem Vortrag (hier in der Langfassung mit freundlicher Genehmigung von Lena Balk downloadbar) entsprechend geäußert. Es wird Zeit, dass sich Arbeitgeber mehr zum Thema informieren und weiterbilden, denn – das zeigt die neue Einstufung der WHO: Transsexualität ist keine psychische Erkrankung, sondern eine neuronale Variante der Geschlechtsentwicklung (NVSD – neuronal variation of sexual development)

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Medizin-Blogs

Hier will ich im Laufe der Zeit Blogs und Websites verlinken, die sich mit Medizin (vor allem evidenzbasierte Sicht von Medizin) beschäftigen – es geht mir dabei um Medizin allgemein (und nicht nur im Blick auf transsexuelle Menschen).

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Der Begriff des Bias sollte auch in Schulen

Thema werden, denn er ist grundlegend, wenn es um Orientierung in unserer Gesellschaft geht. Warum man wissen sollte, was der  „Confirmation-Bias“ ist, erklärt dieser hervorragende Artikel von Michael Lindner und Antonia Schuster auf ZEIT online zum Thema Klimawandel ausführlich. Der Bias spielt aber auch eine große Rolle im Gesundheitswesen bzw. bei der Frage, wie man (medizinische) Studien auswerten und verstehen kann. Insofern ist die Beschäftigung damit auch für transsexuelle / transidente Menschen bzw. NIBD ein Thema. Deshalb habe ich in diesem Blog dazu schon einiges geschrieben.

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Liebe Politiker in Berlin, gebt

Euch einen Ruck und bessert am Gesetzentwurf zur „dritten Option“ noch nach. Vorschläge dafür liegen (z.B. von der IMAG) genug auf dem Tisch. Auch die Petition des Bundesverbandes Trans* mit inzwischen über 40.000 Unterschriften fordert mehr Selbstbestimmung – ganz ähnlich wie die Stuttgarter Erklärung, die inzwischen von über 400 Professoren deutscher Universtitäten unterschrieben wurde.
Es sind viele Menschen in Deutschland, die sich endlich eine Abschaffung der Begutachtung wünschen, wie sie im Transsexuellengesetz vorgesehen ist – aber die ebenso keine Attestpflicht für eine Vornamens- und Personenstandsänderung wollen. Es gibt niemanden, der benachteiligt wird, wenn eine Vornamens- und Personenstandsänderung via Gesetz liberalisiert wird!
Genitalangleichende Operationen sollten grundsätzlich erst ab der Einwilligungsfähigkeit (im rechtlichen Sinn) eines Menschen erlaubt sein und nur im absoluten medizinisch unbedingt nötigen Ausnahmefall früher (aber nach meinen Informationen von intersexuellen Menschen gibt es diese fast nie!).
Andere Länder machen es schon längst vor, wie so etwas funktionieren kann – selbst das katholisch geprägte Irland ist da weiter. Ich hoffe sehr, dass die Verzögerungen beim Gesetzentwurf diesen Hintergrund haben.

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