Transsexualität ist nun abgeschafft und

ersetzt worden durch den Begriff der „Geschlechtsinkongruenz“ (Gender incongruence). „Geschlechtsinkongruenz“ findet sich als Begriff in der neuen ICD 11, die seit heute (18. Juni 2018) auf der Website der WHO veröffentlicht ist. Während Transsexualität unter „F64.0“ im ICD 10 stand, ist die Geschlechtsinkongruenz nun unter HA60 zu finden.
Bis die neue ICD11 nun von allen Mitgliedsländern der WHO ratifiziert wurde und sie dann endgültig gilt, wird es aber noch bis 2022 dauern, wie queer berichtete.

Gut finde ich, dass die „ehemalige Transsexualität“ nun nicht mehr unter „Geisteskrankheiten“ eingeordnet ist. Theoretisch könnte also nun jeder Hausarzt Geschlechtsinkongruenz diagnostizieren, da er ja allgemein für Krankheiten zuständig ist.

Wenn man allerdings ansieht, dass Geschlechtsinkongruenz von den „Paraphilien“ abgegrenzt wird (d.h. diese müssen diagnostisch ausgeschlossen werden) und diese Paraphilien weiter unter „mental disorders“ (Geisteskrankheiten) zu finden sind, ist anzunehmen, dass für die Diagnose weiterhin die Psychiater die Deutungshoheit besitzen (da sie ja für die Paraphilien zuständig sind).

Für die Diagnose zählt die Selbstaussage des eigenen Geschlechts („experienced gender“) über einen Zeitraum von einigen Monaten („must have been continuously present for at least several months„). Aber: Der Mediziner braucht also weiterhin einige Monate, in denen er „beobachtet“, ob die Selbstaussage konstant vorhanden ist. Die „Therapie“ geht also weiter. Fristenregelungen sind dann ebenfalls wieder zu erwarten (der MdS wird sicher das „several month“ mit einer genaueren Angabe ersetzen…).

Schwierig finde ich auch folgenden Satz: „Gender variant behaviour and preferences alone are not a basis for assigning the diagnosis.“ D.h. z.B. das Anziehen weiblicher Kleidung allein reicht nicht für eine Diagnose von Geschlechtsinkongruenz. Aber was braucht es dann alles? Da ist der Willkür der Psychiater doch wieder viel Gestaltungsspielraum gegeben und die Psychopathologisierung geht durch die Hintertür weiter…

Im Blick auf die Studien zum Thema wird deutlich: Der Begriff passt nicht und die Art, wie hier wieder mal eminenzbasiert gearbeitet wurde, ist antiquiert.

Die Tagesschau schrieb dazu bei facebook: „Transsexualität keine Störung mehr“ – und im Internetangebot der Tagesschau findet man einen Beitrag zur WHO Veröffentlichung ebenfalls.

Update: Die Süddeutsche Zeitung brachte heute (20.6.2018) einen Beitrag mit ausführlichen Hintergrundinformationen, in der auch die Frage Thema war, ob weiterhin med. Unterstützung für eine Geschlechtsangleichung bezahlt wird.

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wie wichtig Sprache ist, sollten

sich nicht nur Theologen immer neu bewusst machen, sondern alle, die sich fragen, wie man einen konstruktiven Beitrag für unsere Demokratie leisten kann. Sehr lesenswert dazu fand ich diesen Artikel hier. Er betrifft LGBTTIQ zwar nur insofern, als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ oft auch LGBTTIQ betrifft, aber wer einmal Opfer transphober Gruppen wurde, merkt: Es ist wichtig, sich Strategien im Umgang mit solchen Menschen zu überlegen.

Passend zum letzten Absatz des Artikels fand ich auch das Interview von Christiane Florin mit Stefan Seidel: „Wir brauchen eine Kultur der Anerkennung“.

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Danke, Herr Bundespräsident Steinmeier – Ihre

Worte am Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, die alle sehr inklusiv formuliert waren, taten gut! Ich hoffe, das noch viele demokratisch eingestellte Politiker auch im Blick auf Verbesserungen für transsexuelle Menschen sich an Ihrer Haltung und Ihren Worten ein Beispiel nehmen.

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Es ist hilfreich, wenn man zwischen „Sterblichkeit“ und „Lebenserwartung“ im

Blick auf wissenschaftliche Studien bzw. deren Ergebnisse unterscheidet. Sonst kann man Studien nicht gut verstehen. Anscheinend brauchen manche Medienvertreter aber erst ein wenig „Nachhilfe“ im Blick auf die Lektüre von medizinischen Studienergebnissen, wie dieser Beitrag des IDW im Blick auf Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen zeigt und zu dem Ergebnis kommt:

„Eine Verringerung der brustkrebsspezifischen Sterblichkeit ist nicht das gleiche wie eine Erhöhung der Lebenserwartung.“

Mehr Informationen dazu beim Psychologen Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, der eine Internetseite „Unstatistik“ zusammen mit und de, Dortmunder Statistiker Walter Krämer gegründet hat und denen seriöse Bildung genauso wichtig ist, wie mir…
Ich habe deshalb an anderer Stelle schon einiges zum Thema Epidemiologie und evidenzbasierter Medizin gebloggt…

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Der Nipah Virus ist sicher

ein Fall für die Epidemiolog*Innen wie auch für alle, die eine Fernreise planen. Er wird zu den 8 gefährlichsten Viren weltweit gerechnet, wie die Tagesschau hier berichtet. Hier gab es einen Hintergrundbericht über den Ort Nipah, an dem das Virus das erste Mal entdeckt wurde.

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die biologischen Ursachen von Transsexualität

geraten immer mehr in den Fokus der neueren wissenschaftlichen Fachliteratur. Zum Beispiel in diesen Abstracts:

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eine interessante Aufklärungs-Website

zum Thema Gender-ismus und die entsprechenden neu-rechten Ideologen findet man hier: http://gender-ismus.de/mach-dich-schlau/
Ich habe im Blog zu dem Thema auch schon einiges geschrieben. Wie nötig es für demokratisch eingestellte Menschen es ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sieht man auch an einem Beitrag von queer, nach dem transsexuelle und homosexuelle Menschen von dem aus der AfD Fraktion ausgeschlossenen Abgeordneten Andreas Wild als „abartig“ bezeichnet wurden. Auch dieser Beitrag von queer zeigt, wie wichtig es im Blick auf unsere Demokratie ist, sich mit dem Thema „Anti-Gender“ auseinanderzusetzen.

Update: Dieser Beitrag der Frankfurter Rundschau zeigt, wie die „Demo für alle“ Bewegung gezielt Fake-News verbreitet, um Hass zu schüren und Stimmung zu machen. Es befremdet einen, wenn man liest, wie Christen sich dieser Bewegung anschließen und dem glauben, was da verbreitet wird. Liane Bednarz Buch „Die Angstprediger“ sollte man sich deshalb mal zu Gemüte führen, denn es öffnet vielleicht auch etlichen konservativen Christen die Augen über die dubiosen Behauptungen solcher Kreise…

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evidenzbasierte Medizin (und Transsexualität)

ist Thema einer neuen facebook-Seite, die man hier mit den ersten Beiträgen öffentlich einsehen kann. „Evidenzbasierte Medizin“ klingt erst mal nach etwas, was nur für Ärzte interessant ist, aber das sollte nicht so bleiben. Gut informierte Patienten können mit dazu beitragen, die Qualität im Gesundheitswesen zu verbessern. Darum ist diese facebook Seite nicht nur für transsexuelle / transidente Menschen interessant, sondern für alle, die Bildung im Sinne Immanuel Kants anstreben und sich im Blick auf medizinische Fakten ein wenig „emanzipieren“ wollen.

Ich habe ja hier im Blog zum Thema evidenzbasierte Medizin auch schon mehr geschrieben und empfehle dazu auch das Buch „Epidemiologie für Dummies“, denn die Epidemiologie ist Grundlage für die gesamte moderne Medizin.

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eine Broschüre der evang. Kirche von Hessen/Nassau

zum Thema Transsexualität ist seit heute online auf der Internetseite der EKHN abrufbar.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete bereits darüber, ebenso das Portal evangelisch de (beide greifen eine dpa-Meldung auf).
Neben Interviews mit Menschen, die selbst transsexuell sind, erklärt die Broschüre die Thematik aus Sicht der Theologie, erwähnt auch die Eunuchen im AT/NT und schildert die Ergebnisse der Neuroforschung in gut verständlicher Sprache ebenso, wie die aktuellen medizinischen Maßnahmen in Kurzform.

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wenn von „Frauen und Transsexuellen“ bei

der Medienberichterstattung über eine Razzia gegen die organisierte Kriminalität und Menschenhandel berichtet wird (z.B. in der FAZ hier), so ist es zwar gut, wenn es eine freie Berichterstattung gibt. Was ich aber sehr bedauerlich finde ist, dass diese Medienberichte allesamt transsexuelle Menschen als eine Art „Sonderwesen“ ansehen, die nicht „Frauen“ oder „Männer“ seien. Das ist nicht nur deshalb problematisch, weil da Medienvertreter über etwas berichten, was transsexuelle Menschen selbst in der Regel anders sehen (d.h. sie sehen sich meist als Männer oder Frauen). Es ist vor allem auch deshalb falsch, weil es aus biologischer Sicht keine eigene Kategorie „transsexuelle Menschen“ gibt und diese wissenschaftlich gesehen keinen Sinn macht. Im Gegenteil ist es stigmatisierende Sprache, die Menschen ihr Geschlecht und ihr Recht auf eine adäquate Selbstbeschreibung des eigenen Geschlechts nimmt.
Wenn jemand eine medizinische Geschlechtsangleichung braucht, dann deshalb, weil sein Hirngeschlecht vorgeburtlich entsprechend geprägt wurde (unabhängig von Chromosomen oder Genitalien). Da aber das Gehirn das zentrale Geschlechtsorgan ist (vgl. Milton Diamond hier), und die meisten transsexuellen Menschen sich binär als Mann oder Frau einordnen (dazu mehr im Aufsatz von Dr. Claudia Haupt), ist eine entsprechende Berichterstattung unangemessen und übergriffig.

 

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