Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich für

ein neues Transsexuellenrecht ausgesprochen. Im ZDF wurde sie hier zitiert. Dabei ist der Gedanke der Selbstbestimmung für Giffey maßgeblich – im bisherigen Transsexuellengesetz (TSG) ist davon nämlich gar nichts zu spüren. Das TSG wurde zu einer Zeit erstellt, als man noch der Meinung war, transsexuelle Menschen seien psychisch krank. Das dem nicht so ist, sieht sogar die WHO inzwischen und spricht deshalb auch von Geschlechtsinkongruenz. Das bedeutet: Man erkennt zwar bei vielen Menschen mit Geschlechtsinkongruenz medizinischen Handlungsbedarf an, aber eben deshalb, weil das im Gehirn verankerte Wissen um das eigene Geschlecht eine angeborene Variante der Geschlechtsentwicklung ist (wie ja auch immer mehr neurobiologische Studien nahelegen). Wer Giffey mit ihrem Vorschlag unterstützen will, sollte sich auch die aktuelle Petition des Bundesverbandes trans* durchlesen und mitmachen!

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zum Begriff der „Eminenz-basierten“ Medizin, die das Gegenteil von

evidenzbasierter Medizin ist, hatte ich ja im Blog (hier zu „eminenzbasiert“) schon einiges geschrieben. Sehr interessant fand ich nun, wie anscheinend viele Wissenschaftler derzeit auf Grund des „hohen Publikationsdrucks“ auf eminenzbasierte unseriöse Verlagsangebote hereinfallen, anstatt sich einer sauberen evidenzbasierten Kritik ihrer Arbeit mit ordentlichen peer-reviews zu stellen. Davon berichtete die Tagesschau ausführlich hier. Ich hoffe, dass dieser Trend gestoppt wird und bin dankbar, wenn die Medien dem Thema nachgehen und ausführlich darüber berichten.

Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete hier ausführlich über die scheinwissenschaftlichen Verlage/Publikationen und einige Wissenschaftler, die auf diese Verlage hereingefallen sind (unter anderem Prof. Dr. Peter Nyhuis, Prof. Dr. Bernd Scholz-Reiter…) und nun eine Kehrtwende vollzogen haben.

Wie problematisch der wissenschaftliche Medizinbetrieb in den USA derzeit läuft, ist ein Thema der Süddeutschen Zeitung hier – bei den Schnellzulassungsverfahren von Medikamenten durch die FDA (das ist die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassungen) scheint das Motto „Eile und Profit“ vor „Sicherheit“ zu gelten und die Studienlage ist dann oft mau.

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es wurden nun weitere neurobiologische Studien

zum Thema Geschlechtsinkongruenz (der neue Begriff für Transsexualität, wie ich hier im Blog schon berichtete) veröffentlicht:

  • „Gender incongruence and the brain – Behavioral and neural correlates of voice gender  perception in transgender people“ (pubmed abstract hier)
  • Brain functional connectivity patterns in children and adolescents with gender dysphoria: Sex-atypical or not?“ (pubmed abstract hier)Die neurobiologische Sichtweise von Geschlechtsinkongruenz setzt sich seit der internationalen, interdisziplinären Konferenz von Frankfurt (2016) anscheinend immer mehr durch.
    Wer sich dazu in deutscher Sprache informieren will, sei auf den Aufsatz von Dr. C. Haupt verwiesen, der ebenfalls nun mit Genehmigung des Verlags online abrufbar ist (in deutscher Sprache).
  • „Biological origins of sexual orientation and gender identity: Impact on health.“ ebenfalls als abstract bei pubmed hier zu finden
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Der Bundesverband trans* hat eine Petition

gestartet, die man unter folgendem Link findet: https://weact.campact.de/petitions/gleiches-recht-fur-jedes-geschlecht-stoppt-seehofers-gesetzentwurf-zur-dritten-option – ich lade zur Mitzeichnung ein, da mir das derzeitige Verfahren der Vornamens- und Personenstandsänderung mit Hilfe einer Doppelbegutachtung, wie sie im Transsexuellengesetz vorgegeben ist, als antiquiert erscheint und ich selbst deshalb schon zwei Petitionen (hier und hier verlinkt) zum Thema gestartet hatte.

Auch aus medizinischer Sicht macht eine Begutachtung durch Psychiater keinen Sinn mehr, denn die WHO hat ja erst vor kurzem durch die Einführung des Begriffs „Geschlechtsinkongruenz“ (auch wenn die endgültig erst in ein paar Jahren durch alle Gremien beschlossen sein wird) deutlich gemacht: Menschen mit Geschlechtsinkongruenz sind nicht psychisch krank (daher auch der neue Begriff, der „Transsexualität“ ersetzt). Wenn diese Gruppe aber nicht psychisch krank ist, gibt es auch für den Gesetzgeber keinen Grund, das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit durch eine psychiatrische Begutachtung einzuschränken, wenn man seinen Vornamen und Personenstand ändern will (GG Art 2 Abs 1).

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über den Einfluss von Testosteron auf das Kaufverhalten

berichtet die Süddeutsche Zeitung in einem interessanten Artikel von Werner Bartens hier. Das Abstract der Studie findet man bei pubmed. Untersucht wurden 243 Männer – die einen nach der Injektion von Testosteron, die anderen nach Gabe eines Placebo.

„Wurde hingegen der Status hervorgehoben, entschieden sich die Männer unter Testosteron vermehrt für diese Gegenstände. Die Wissenschaftler sehen diese Ergebnisse als Beleg dafür, dass auch das Konsumverhalten teilweise biologisch motiviert ist.“ so Bartens.

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Transsexualität ist nun abgeschafft und

ersetzt worden durch den Begriff der „Geschlechtsinkongruenz“ (Gender incongruence). „Geschlechtsinkongruenz“ findet sich als Begriff in der neuen ICD 11, die seit heute (18. Juni 2018) auf der Website der WHO veröffentlicht ist. Während Transsexualität unter „F64.0“ im ICD 10 stand, ist die Geschlechtsinkongruenz nun unter HA60 zu finden.
Bis die neue ICD11 nun von allen Mitgliedsländern der WHO ratifiziert wurde und sie dann endgültig gilt, wird es aber noch bis 2022 dauern, wie queer berichtete.

Gut finde ich, dass die „ehemalige Transsexualität“ nun nicht mehr unter „Geisteskrankheiten“ eingeordnet ist. Theoretisch könnte also nun jeder Hausarzt Geschlechtsinkongruenz diagnostizieren, da er ja allgemein für Krankheiten zuständig ist.

Wenn man allerdings ansieht, dass Geschlechtsinkongruenz von den „Paraphilien“ abgegrenzt wird (d.h. diese müssen diagnostisch ausgeschlossen werden) und diese Paraphilien weiter unter „mental disorders“ (Geisteskrankheiten) zu finden sind, ist anzunehmen, dass für die Diagnose weiterhin die Psychiater die Deutungshoheit besitzen (da sie ja für die Paraphilien zuständig sind).

Für die Diagnose zählt die Selbstaussage des eigenen Geschlechts („experienced gender“) über einen Zeitraum von einigen Monaten („must have been continuously present for at least several months„). Das bedeutet: Der Mediziner braucht also weiterhin einige Monate, in denen er „beobachtet“, ob die Selbstaussage konstant vorhanden ist. Die „Therapie“ geht also weiter. Fristenregelungen sind dann ebenfalls wieder zu erwarten (der MdS wird sicher das „several month“ mit einer genaueren Angabe ersetzen…).

Schwierig finde ich auch folgenden Satz: „Gender variant behaviour and preferences alone are not a basis for assigning the diagnosis.“ D.h. z.B. das Anziehen weiblicher Kleidung allein reicht nicht für eine Diagnose von Geschlechtsinkongruenz. Aber was braucht es dann alles? Da ist der Willkür der Psychiater doch wieder viel Gestaltungsspielraum gegeben und die Psychopathologisierung geht durch die Hintertür weiter…

Im Blick auf die Studien zum Thema wird deutlich: Der Begriff passt nicht und die Art, wie hier wieder mal eminenzbasiert gearbeitet wurde, ist antiquiert.

Die Tagesschau schrieb dazu bei facebook: „Transsexualität keine Störung mehr“ – und im Internetangebot der Tagesschau findet man einen Beitrag zur WHO Veröffentlichung ebenfalls.

Update: Die Süddeutsche Zeitung brachte heute (20.6.2018) einen Beitrag mit ausführlichen Hintergrundinformationen, in der auch die Frage Thema war, ob weiterhin med. Unterstützung für eine Geschlechtsangleichung bezahlt wird.

Update: In einem Gastbeitrag von Sarah Unger berichtete der Tagesspiegel am 26.6.2018 unter der Überschrift Macht Schluss mit dem Geschlechter-TÜV für Transsexuelle“ über die WHO Umbennenung und verwies dabei auch auf diesen Blog 😉

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wie wichtig Sprache ist, sollten

sich nicht nur Theologen immer neu bewusst machen, sondern alle, die sich fragen, wie man einen konstruktiven Beitrag für unsere Demokratie leisten kann. Sehr lesenswert dazu fand ich diesen Artikel hier. Er betrifft LGBTTIQ zwar nur insofern, als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ oft auch LGBTTIQ betrifft, aber wer einmal Opfer transphober Gruppen wurde, merkt: Es ist wichtig, sich Strategien im Umgang mit solchen Menschen zu überlegen.

Passend zum letzten Absatz des Artikels fand ich auch das Interview von Christiane Florin mit Stefan Seidel: „Wir brauchen eine Kultur der Anerkennung“.

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Danke, Herr Bundespräsident Steinmeier – Ihre

Worte am Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, die alle sehr inklusiv formuliert waren, taten gut! Ich hoffe, das noch viele demokratisch eingestellte Politiker auch im Blick auf Verbesserungen für transsexuelle Menschen sich an Ihrer Haltung und Ihren Worten ein Beispiel nehmen.

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Es ist hilfreich, wenn man zwischen „Sterblichkeit“ und „Lebenserwartung“ im

Blick auf wissenschaftliche Studien bzw. deren Ergebnisse unterscheidet. Sonst kann man Studien nicht gut verstehen. Anscheinend brauchen manche Medienvertreter aber erst ein wenig „Nachhilfe“ im Blick auf die Lektüre von medizinischen Studienergebnissen, wie dieser Beitrag des IDW im Blick auf Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen zeigt und zu dem Ergebnis kommt:

„Eine Verringerung der brustkrebsspezifischen Sterblichkeit ist nicht das gleiche wie eine Erhöhung der Lebenserwartung.“

Mehr Informationen dazu beim Psychologen Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, der eine Internetseite „Unstatistik“ zusammen mit und de, Dortmunder Statistiker Walter Krämer gegründet hat und denen seriöse Bildung genauso wichtig ist, wie mir…
Ich habe deshalb an anderer Stelle schon einiges zum Thema Epidemiologie und evidenzbasierter Medizin gebloggt…

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Der Nipah Virus ist sicher

ein Fall für die Epidemiolog*Innen wie auch für alle, die eine Fernreise planen. Er wird zu den 8 gefährlichsten Viren weltweit gerechnet, wie die Tagesschau hier berichtet. Hier gab es einen Hintergrundbericht über den Ort Nipah, an dem das Virus das erste Mal entdeckt wurde.

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