das neue Personenstandsgesetz (PStG) ermöglicht transsexuellen

Menschen bzw. Personen, die sich als NVSD bezeichnen,
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Exkurs: NVSD steht für „neuronal variants of sexual development“ oder übersetzt: „Neuronale Varianten geschlechtlicher Entwicklung“ – mehr dazu im Aufsatz „Neuronale Varianten geschlechtlicher Entwicklung (NVSD) – Zur Neurophänomenologie geschlechtlicher Leibkörperdiskrepanzen und der Kongruenzdynamik leibkörperlichen Erlebens“ von Dr. Claudia Cornelia Haupt genauer beschrieben (erscheint im Mai 2019 in G. Schreiber, Das Geschlecht in mir; DeGruyter Taschenbuch)

einen unkomplizierten Wechsel von Vornamen und Personenstand – d.h. die Ausweisänderung ist damit viel einfacher und günstiger als mit dem bisherigen Verfahren nach dem Transsexuellengesetz.
Einen ausführlichen Artikel dazu schrieb Juliane Löffler für Buzzfeed.
Einen Kommentar dazu gab es auf der Facebook-Seite von Kreuzweise-Miteinander e.V.
Julia Monro vom BVT* gab dazu ebenfalls ein längeres Interview. Sie ist auch bei der DGTI aktiv und recherchiert selbst zu den Folgen des neuen §45b PStG. Auf ihrer neuen Website (http://www.pstg45b.de/)findet man sehr viele lesenswerte Informationen zum §45b PStG inkl. fachlicher Hinweise für Mediziner, die transsexuellen Menschen bzw. NVSD helfen können oder wollen, die Absurditäten des Transsexuellengesetzes sich zu ersparen.
Der Nachteil des neuen Verfahrens nach §45b PStG gegenüber dem bisherigen Verfahren nach dem Transsexuellengesetz ist m.E. vor allem darin zu sehen, dass es kein Recht gibt, frühere Zeugnisse auf den neuen Namen umschreiben zu lassen. D.h. wer schon älter ist und z.B. das Schlußzeugnis der Schule ändern will, sollte ggf. doch noch mit der Vornamens- und Personenstandsänderung abwarten, bis auch das Transsexuellengesetz endlich an den Stand der Rechtswissenschaft bzw. Biologie / Neuroforschung angepasst wurde. Entsprechende Rechtsgutachten, die eine Änderung anmahnen, liegen der Bundesregierung ja schon seit einiger Zeit vor.

Manche Verbände warnen vor der Inanspruchnahme des §45b PStG, weil man ohne Gutachten kaum eine Chance hat, Operationen von den Krankenkassen bezahlt zu bekommen. Doch ist diese Angst berechtigt? Unser Staat hat offiziell die rechtliche und die medizinische Seite einer Geschlechtsangleichung voneinander getrennt und auch das Bundesverfassungsgericht betonte, dass beide Seiten (VÄ/PÄ einerseits – medizinische Maßnahmen andererseite) einer Geschlechtsangleichung voneinander unabhängig möglich sein müssen. Julia Monro betont daher auf ihrer Website unter Zitierung des MdK (medizinischen Dienstes der Krankenkassen) dazu zu Recht:

„Die einzige Voraussetzung zur Genehmigung medizinischer Leistungen basiert auf einer Diagnosestellung. Ein rechtlicher Verwaltungsakt darf keine Voraussetzung für Leistungspflicht sein.“ 

Das Bundesverfassungsgericht schreibt in einer Begründung der Ablehnung einer Verfahrenseröffnung zur TSG Begutachtung:

„Der Senat hat dem in §4Abs.3 TSG geregelten Begutachtungserfordernis nicht den Zweck beigemessen, eine transsexuelle Person durch fachliche Begutachtung therapeutischer Behandlung ihrer vermeintlichen Krankheit zuzuführen, um sie etwa von ihrem Wunsch des Geschlechtswechsels abzubringen.“ (Quelle des Zitats: Absatz 9)

und weiter unten heißt es:

Ob die Betroffenen den Prozess des Geschlechtswechsels mit therapeutischer Begleitung durchlaufen wollen oder nicht, ist in dessen allein ihre eigene Entscheidung, zu der sie nicht etwa durch die Begutachtung nach §4Abs.3 TSG hingeführt werden sollen. Der Senat hat das Begutachtungserfordernis nach § 4 Abs. 3 TSG hiermit nicht in Zusammenhang gestellt. (ebd.) […]

Außerdem darf das Gutachtenverfahren nach §4Abs.3 TSG nicht dazu genutzt werden, die Betroffenen zu einer therapeutischen Behandlung ihrer (als vermeintliche Krankheit begriffenen) Transsexualität hinzuführen. (Quelle des Zitats im Absatz 12)

Dr. Claudia Haupt (in: Altdorfer Empfehlungen oder Sie sind ihr Gehirn…) und das Team von trans-evidence plädieren deshalb für ein individuelles Case-Management, d.h. individuelle Lösungen für den medizinischen Teil einer Geschlechtsangleichung. Ähnlich sieht es auch das Bundesverfassungsgericht:

Für erforderlich werden deshalb individuelle therapeutische Lösungen erachtet, die von einem Leben im anderen Geschlecht ohne somatische Maßnahmen über hormonelle Behandlungen bis hin zur weitgehenden operativen Geschlechtsangleichung reichen können (m.w.N. Pichlo, a.a.O., S. 119, 122; Rauchfleisch, Transsexualität – Transidentität, 2006, S. 17; Becker, a.a.O., S. 153 <180, 181>). (Quelle des Zitats im Absatz 36)

 

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zu Androcur bzw. CPA erschien in der SZ ein lesenswerter Artikel

Charly Kowalczyk hat gründlich recherchiert, wie CPA erforscht wurde und welche Medikamententests damals ohne Wissen der Eltern an behinderten Menschen durchgeführt wurden. Der Artikel zeichnet ein Bild der Pharmaindustrie aber auch der Diakonie, das einem zu denken gibt.
Es gibt ja immer noch viele Endokrinologen, die CPA bzw. Androcur bei der Hormontherapie transsexueller Frauen empfehlen. Vielleicht sollten diese Mediziner mal den Artikel lesen und sich Gedanken darüber machen, ob so ein Medikament aus ethischen Gründen wirklich zu empfehlen ist? Es gibt ja Alternativen bei der HRT, zu denen man hier auch einiges an Material findet…

Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es inzwischen Ansätze, genauer hinzuschauen. An anderer Stelle wurde in diesem Blog ja schon über das Androcur-Review berichtet, zu dem nun das Review Protokoll von Cochrane anerkannt wurde. Endokrinologen wie auch betroffene transsexuelle Menschen sollten sich dazu auf dem Laufenden halten. In diesem Blog wird dazu mehr berichtet werden.

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Auch wenn die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase

in diesem Blog bislang kein Thema ist – dieser Artikel von Joachim Müller-Jung (FAZ) zeigt einmal mehr, wie hilfreich es ist, wenn man sich mit Grundlagen der Epidemologie auseinandersetzt (zum Begriff habe ich ja in diesem Blog anderswo schon mehr geschrieben). Das von 100 Lungenärzten herausgegebene Papier scheint jedenfalls aus fachlicher Sicht wenig von evidenzbasierter Arbeit, sondern aus eminenzbezogener Sicht gestaltet zu sein.

Joachim Müller-Jung zitiert Prof. Dr. Nino Künzli:

„Köhler, Hetzel und Co. verfügen über keinerlei epidemiologische Ausbildung, die sie dazu befähigen würde, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Umweltepidemiologie sachkundig zu beurteilen.“ […] „Der Beitrag der epidemiologischen Forschung ist zu den Fragen der Luftverschmutzung von zentraler Bedeutung. Zum Beispiel kann die Frage, ob Kinder, die an schadstoffbelasteten Adressen wohnen, eine verlangsamte oder unvollständige Lungenentwicklung erleben, nur epidemiologisch erforscht werden.“ […] „Der Stickoxid-Grenzwert der EU erfüllt die Empfehlungen der WHO. Wer ihre Aussetzung per richterlichem Dekret fordert, handelt unethisch, da dadurch eine zentrale Errungenschaft der Prävention und der Erhaltung von Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird. Die Feinstaub-Grenzwerte der EU sind hingegen viel zu hoch angesetzt. Seit Jahren weigert sich die EU – stark beeinflusst von Deutschland – die WHO-Richtwerte in die Direktive zu übernehmen.“

Auch der gesamte restliche Artikel ist eine Fundgrube für alle, die sich mit epidemiologischen Fragen auseinandersetzen bzw. sich darin einarbeiten wollen. Prädikat: Sehr lesenswert! Danke!

 

 

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Bürger des Himmels

Ein Brief, den ich neulich bekam, machte mich

nachdenklich. Er war von Sonja Kolb, der ersten Vorsitzenden des Zwischenraum e.V., bei dem ich Mitglied bin und hatte das Thema „Bürger des Himmels“. Mit Ihrer freundlichen Genehmigung (und der Zustimmung des Vorstands von Zwischenraum e.V.) darf ich ihn hier rebloggen – d.h. weitergeben.

Sie beschreibt darin die Erfahrung vieler Christen, die nach ihrem Coming out in einer Gemeinde Probleme bekamen und nun auf die Frage „Geht ihr in eine Gemeinde?“ oft nur eine negative Antwort haben. In evangelikal geprägten Gemeinden, aber auch in der orthodoxen und katholischen Kirche scheint mir das leider besonders häufig der Fall zu sein. Dabei sind es oft evangelikal geprägte Christen, die das Thema Gemeindeaufbau im Fokus haben. Wie passt das zusammen?

Ich erlebe es genau wie Sonja Kolb es beschrieb: Uns trägt vor allem der Glaube – der Glaube an einen Gott, der uns so annimmt und liebt, wie wir sind und der uns das Bürgerrecht im Himmel schon verliehen hat – ein für allemal durch Jesu Tod am Kreuz. Mit dem „Bodenpersonal“ Jesu dagegen gibt es immer wieder Probleme, wenn man ein Coming out hinter sich hat. Da gibt es welche, die homosexuelles Verhalten als „Sünde“ bezeichnen und dabei einige Bibelstellen herauspicken, die das ihrer Meinung nach belegen. Historisch-kritische Forschung wird dabei leider genauso oft ausgeblendet wie grundlegende systematisch-theologische Fragestellungen. Zum Beispiel die Frage, ob es Sünden gibt, die schwerer wiegen als andere?
Jesus unterschied bei den Sündern nicht nach „Todsünden“ und „lässlichen Sünden“. Er starb für alle Sünder und seine Erlösungstat am Kreuz gilt allen, die an ihn glauben. 

Darum ist es wichtig, im innerchristliche ökumenischen Dialog uns auf die Bedeutung von Jesu Tod und seine Auferstehung zu beziehen. Eine Bibelstellenpickerei, die sich nur die Bibelstellen herauspickt und dann auf LSBTTIQ bezieht, die deren „Sündhaftigkeit“ betont, aber nicht vor der eigenen Haustür kehrt, gleicht dem, was Jesus im Gleichnis vom „Splitter und Balken“ betont (Mt 7,1ff).
Jesus lädt alle Menschen zur Umkehr ein – und er macht das dort, wo Umkehr auch möglich ist – also in den Bereichen, die wir als Menschen bewusst verändern können, wenn wir es wollen. Zum Beispiel beim Geiz, bei Ehebruch, bei der Lieblosigkeit und vielen anderen menschlichen Schwächen.
Wenn Gottes heiliger Geist einen Menschen erfüllt, dann wird er von den „Werken des Fleisches“ ablassen und „Früchte des Geistes“ bringen (vgl. Gal 5,16-26).

Allerdings ist die Frage, ob und wie ein Mensch Verantwortung übernehmen kann für sein Leben und was letztlich vielleicht neuronal so verankert ist, dass es de fakto nicht veränderbar ist und daher auch bei der Einladung zur Umkehr nicht Thema ist bzw. sein kann.
Bei Transsexualität gehen immer mehr Neurowissenschafter von einer vorgeburtlichen Verankerung in neuronalen Strukturen aus (NVSD: neuronale Variation der sexuellen Entwicklung bzw. in englischer Sprache neuronal Variation of sexual development). Dazu habe ich hier im Blog ja schon viel geschrieben.
Auch lesbische und schwule Menschen spüren am eigenen Leib oft, dass sogenannte „Konversionstherapien“ nichts bringen und entsprechende Angebote mit wissenschaftlicher Seriosität nichts zu tun haben. Wissenschaftliche Fragestellungen und neue Sichtweisen auf „heilige“ Texte sind aber bei der Sexualethik genauso relevant, wie alte Überlieferungen. Bei der Auslegung der Bibel gilt es, nicht nur das „Alte“ (Mt 13,52) aus dem Schatz des Glaubens herauszuholen, sondern auch neuen Sichtweisen (vgl. Mt 13,52) nicht gleich Häresie zu unterstellen. Man sollte vielmehr prüfen, ob sie im Sinne Jesu sind. Dabei geht es letztlich um die Frage: Was ist der innere Sinn eines Gebots bzw. einer Satzung? (vgl. Mt 15,1-20 – zu „Unzucht“ hier ein lesenswerter Artikel.)
Entscheidend ist auch bei der Schriftauslegung das, was Jesus selbst als höchstes Gebot, also Maßstab auch für die Auslegung der Bibel, verstand: Das Doppelgebot der Liebe (vgl. Mt 22,36-40) – und Jesus macht nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Stellen des Neuen Testaments deutlich:
Diese Liebe bezieht sich nicht nur auf Gott, nicht nur auf die eigene Gemeinde oder die „Brüder“, sondern auf alle Menschen, sogar auf die Feinde (vgl. Mt 5,43-48).
Und bei diesem höchsten Gebot fordert er seine Jünger zur „Vollkommenheit“ (Mt 5,48) auf!
Dieses Liebesgebot wird im Neuen Testament selbst Maßstab für neue Fragestellungen und Auslegung der Bibel – auch im Bereich der Sexualität!

Das sieht man zum Beispiel an der Frage, ob das Gebot der Beschneidung für Christen genauso gelten soll wie für die, die schon immer im Judentum verankert gewesen sind. Oder man sieht es an der neuen Stellung der Eunuchen, wie sie an der Beispielgeschichte in Apostelgeschichte 8 klar wird. Während in den 5 Büchern Mose zu finden ist, dass Eunuchen (Lutherübersetzung: „Verschnittene“) nicht zur Gemeinde gehören dürfen, zeigt Apg 8, dass der Kämmerer aus dem Morgenland unbedingt getauft werden soll – und damit Vollmitglied in der christlichen Kirche sein darf! Das – ist nicht nur eine Idee des Philippus – so Apg 8, sondern Wirken des Geistes!

Angesichts solcher innerbiblischen Veränderungsprozesse und neuer Sichtweisen im Blick auf eine Sexualethik sollten Christen, denen die Bibel (sola scriptura) und der Glauben (sola fide) wie auch Jesus Christus (solus christus) wichtig sind, auch ihre Haltung gegenüber LSBTTIQ überdenken und ggf. umkehren und ein neues Miteinander suchen, damit künftig Christen nach einem Coming out sich in möglichst vielen Gemeinden eingeladen fühlen.

Auch wenn wir beim Liebesgebot immer wieder scheitern – wir sind alle eingeladen, umzukehren und neu anzufangen!

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Sehr treffend konnte man in der Süddeutschen Zeitung folgenden

Satz lesen:

Fachverstand und Intelligenz sind geschlechtslos – schon darauf hinzuweisen, ist im Grunde sexistisch.so Thomas Hahn.

Ein Artikel, der es auf den Punkt bringt und der natürlich auch im Blick auf transsexuelle/transidente Menschen bzw. Menschen mit Variationen der Geschlechtsentwicklung gelten sollte. Besonders im Blick auf den Fachkräftemangel wäre es gut, wenn Arbeitgeber sich mit solchen Fragen der Diversity im Betrieb und der Einstellung transsexueller Menschen auseinandersetzen.
Fachverstand hat mit TS/TI/TG nichts zu tun – so weit die Theorie. Die Praxis zeigt aber, wie wir davon in Deutschland noch weit entfernt sind, denn:

  • das Transsexuellengesetz (TSG) gilt immer noch und legt denen, die ihren Vornamen- und/oder Personenstand ändern wollen viele unnötige Hürden in den Weg. Das kostet sowohl den Betroffenen als auch Arbeitgeber und Angehörige viele überflüssige Ressourcen.
  • der Zugang zu medizinischer Unterstützung ist nach wie vor durch das Gatekeeping von Psychiatern ein Problem – die neue AWMF Leitlinie zum Thema TS bzw. „Geschlechtsdysphorie“ wurde von Psychiatern erstellt und diese haben nach wie vor eine Deutungshoheit. So wird zum Beispiel die Überweisung zur Hormonbehandlung immer noch durch einen Psychiater ausgestellt – anstatt durch den Hausarzt.  Doch warum – so fragen sich nicht nur Betroffene, sondern auch Arbeitgeber – braucht es für eine Diagnostik Psychiater?
    Schließlich redet auch die WHO nicht mehr von einer psychischen Krankheit, wenn es um Transsexualität geht – aber in der Community gibt es weiterhin genug Beispiele von Menschen, denen vom MdK die Einhaltung von Fristenregelungen auferlegt wurde (wie es sie eigentlich durch die neue Leitlinie nicht mehr geben sollte). Auch solche Fristenregelungen verursachen zusätzliche Komorbiditäten und sind daher aus volkswirtschaftlicher und Arbeitgeber-Sicht kontraproduktiv!
    Was nützen AWMF-S3-Leitlinien, wenn sie für den MdK keine Rolle spielen und man erst auf dem Klageweg ihre Einhaltung einfordern muss? Warum verankert der Gesetzgeber die Leitlinien nicht im Sozialgesetzbuch? Braucht es weiterhin mehr Menschen, die krank werden und der Solidargemeinschaft Geld kosten, bis irgendwann die Politik nachzieht? Oder mehr Berichte über die mangelhafte Gesundheitsversorung von Menschen mit TS/TI/NIBD? Ist der Fachkräftemangel noch nicht so stark, dass rational denkende Menschen sich mit Betroffenen solidarisieren und Veränderungen in der Politik anmahnen?
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Der Fachkräftemangel lässt manch einen

transsexuellen (TS) / transidenten (TI) Menschen fragen, warum die Arbeitslosigkeit unter TS/TI im Vergleich zu anderen Gruppen der Bevölkerung doch relativ hoch ist. Sicherlich liegt es in etlichen Fällen an mangelhaften Informationen in kleinen und mitteleren Betrieben zum Thema Transsexualität bzw. NIBD. Darum blogge ich ja schon seit einiger Zeit dazu.
In einem Artikel der Antidiskriminierungsstelle des Bundes werden die Probleme von TS/TI bzw. trans* Menschen dargestellt:

„In einem Bericht für die Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission wird aufgezeigt, dass trans* Personen in Europa massiver Diskriminierung in Form von Drohungen, Ausgrenzungen, sozialem Ausschluss, Spott, Beleidigungen, sowie physischer und sonstiger Gewalt ausgesetzt sind. Dies betrifft alle Bereiche des täglichen Lebens, den Zugang zu Bildung und anderen Gütern und Dienstleistungen sowie das Arbeitsleben. Laut einer Studie der europäischen Grundrechteagentur FRA haben die Hälfte der Befragten (54 Prozent) angegeben, wegen ihres trans* Seins im Jahr vor der Umfrage diskriminiert worden zu sein. Ebenfalls rund die Hälfte der Befragten gab an, in diesem Zeitraum Gewalt wegen ihres trans* Seins erfahren zu haben. 44 Prozent erlebten mehr als zwei Mal Gewalt. Auch beim Zugang zum Arbeitsmarkt und bei Karrierechancen werden trans* Personen benachteiligt. Sie sind deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen und erfahren Benachteiligungen im Beruf – z.B. Gehaltskürzungen nach erfolgter Geschlechtsangleichung oder Hindernisse beim beruflichen Aufstieg.“

Auch Lena Balk, CEO eines mittelständischen Unternehmens hat sich zum Thema Arbeitslosigkeit von TS/TI bei der Karrieremesse Sticks&Stones in einem Vortrag (hier in der Langfassung mit freundlicher Genehmigung von Lena Balk downloadbar) entsprechend geäußert. Es wird Zeit, dass sich Arbeitgeber mehr zum Thema informieren und weiterbilden, denn – das zeigt die neue Einstufung der WHO: Transsexualität ist keine psychische Erkrankung, sondern eine neuronale Variante der Geschlechtsentwicklung (NVSD – neuronal variation of sexual development)

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Medizin-Blogs

Hier will ich im Laufe der Zeit Blogs und Websites verlinken, die sich mit Medizin (vor allem evidenzbasierte Sicht von Medizin) beschäftigen – es geht mir dabei um Medizin allgemein (und nicht nur im Blick auf transsexuelle Menschen).

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Der Begriff des Bias sollte auch in Schulen

Thema werden, denn er ist grundlegend, wenn es um Orientierung in unserer Gesellschaft geht. Warum man wissen sollte, was der  „Confirmation-Bias“ ist, erklärt dieser hervorragende Artikel von Michael Lindner und Antonia Schuster auf ZEIT online zum Thema Klimawandel ausführlich. Der Bias spielt aber auch eine große Rolle im Gesundheitswesen bzw. bei der Frage, wie man (medizinische) Studien auswerten und verstehen kann. Insofern ist die Beschäftigung damit auch für transsexuelle / transidente Menschen bzw. NIBD ein Thema. Deshalb habe ich in diesem Blog dazu schon einiges geschrieben.

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Liebe Politiker in Berlin, gebt

Euch einen Ruck und bessert am Gesetzentwurf zur „dritten Option“ noch nach. Vorschläge dafür liegen (z.B. von der IMAG) genug auf dem Tisch. Auch die Petition des Bundesverbandes Trans* mit inzwischen über 40.000 Unterschriften fordert mehr Selbstbestimmung – ganz ähnlich wie die Stuttgarter Erklärung, die inzwischen von über 400 Professoren deutscher Universtitäten unterschrieben wurde.
Es sind viele Menschen in Deutschland, die sich endlich eine Abschaffung der Begutachtung wünschen, wie sie im Transsexuellengesetz vorgesehen ist – aber die ebenso keine Attestpflicht für eine Vornamens- und Personenstandsänderung wollen. Es gibt niemanden, der benachteiligt wird, wenn eine Vornamens- und Personenstandsänderung via Gesetz liberalisiert wird!
Genitalangleichende Operationen sollten grundsätzlich erst ab der Einwilligungsfähigkeit (im rechtlichen Sinn) eines Menschen erlaubt sein und nur im absoluten medizinisch unbedingt nötigen Ausnahmefall früher (aber nach meinen Informationen von intersexuellen Menschen gibt es diese fast nie!).
Andere Länder machen es schon längst vor, wie so etwas funktionieren kann – selbst das katholisch geprägte Irland ist da weiter. Ich hoffe sehr, dass die Verzögerungen beim Gesetzentwurf diesen Hintergrund haben.

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Der Journalist Marc Peratoner machte für Radio Eins ein

Interview mit Pfarrerin Dorothea Zwölfer zum Thema Transsexualität. Es ist in vier Teile gegliedert und hilft vermutlich auch Menschen, die das Phänomen nicht kennen zu einem besseren Verständnis.:

Foto Marc Peratoner

Marc Peratoner

Ich bedanke mich bei Marc Peratoner und Radio Eins für die Überlassung der Mitschnitte und der Erlaubnis, sie hier per Blog zur Verfügung zu stellen. Das Interview wurde am 18.11.2018 bei Radio Eins in der Zeit zwischen 8.00 und 10.00 Uhr ausgestrahlt.

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