Die katholische Akademie in München

lädt vom 26.-28. Oktober 2022 zu einer Tagung ein.

Titel: Inter* und Trans* im Gespräch mit Theologie, Kirche und Erfahrung

Mit dabei:

Referenten:

Dazu gibt es etliche Workshops…

Eine ausführliche Übersicht findet man im Flyer in Anlage.

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für einen queeren Studientag der Universität Heidelberg

ist ab sofort die Anmeldung möglich. Die Veranstaltung findet zum einen präsentisch, zum anderen aber auch (teilweise) via Zoom statt.
Hauptreferent*In ist Prof. Dr. Linn Tonstadt mit dem Thema „NOTES TOWARDS THEOLOGIES OF FLESH“.
Tonstadt

„ist eine US-amerikanische Autorin und Professorin für systematische Theologie, Religion und Sexualität an der Yale University. Sie ist Vertreterin der Queer-Theologie und setzt sich für eine Theologie ein, die frei von Stigmata und Unterdrückung funktioniert. Dabei geht sie davon aus, dass ein Glaube entwickelt werden kann, der von den Erfahrungen stigmatisierter Menschen lernt und Fragen über Gott, Erlösung und Jesus neu verhandelt.“ (Wikipedia)

Dazu gibt es Workshops:

  • „Unerhörte Exegese und theologische Grenzüberschreitungen – queere Lesarten der Hebräischen Bibel“ mit Yannik Ehmer (rein präsentisch, KiGa 1 im WTS) + Co-Host Lydia Weber (max. 30 Teilnehmende)
  • „Transgeschlechtlichkeit(-en) im Talmud und seinem näherem Umfeld“ mit Emily Strauß (rein präsentisch, ÖkSem) + Co-Host Salome Lang (max. 30 Teilnehmende)
  • „‚Das Geschlecht in mir.‘ Biologische, biografische und theologische Aspekte von Transsexualität und queerer Existenz im Pfarrhaus“ mit Dorothea Zwölfer (rein digital) + Co-Host Elisabeth Maikranz

Weitere Informationen und den Anmeldelink gibt es im Plakat in Anlage.

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manche NVSD brauchen eine gesichtsfeminisierende Operation

und fragen sich, ob die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen werden.

Hier das Aktenzeichen eines Urteils eines Landessozialgerichts, wo das der Fall war:
L5 KR 5363/12

Neuere Urteile sowie viele andere zum Thema findet man, wenn man dieses Aktenzeichen in eine Suchmaschine eingibt. So findet man zum Beispiel beim  LSVD  einschlägige Urteile der trans* – Rechtssprechung in einer Übersicht.

 

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wenn man genau nachliest, stellt man fest, dass

die Beobachtungen von Dr. Kerstin Söderblom zum Bibeltext über „Sodom und Gomorrha“ durchaus treffend beschreiben, was der Text darstellt und was eben nicht. Da dieses Thema immer wieder auch in social media als Munition gegen LGBT verwendet wird, will ich ihren lesenswerten Artikel auf evangelisch.de gerne hier verlinken.

Ein Zitat als Schmankerl:

90 bis 97 Prozent der Männer an Lots Tür waren heterosexuell.

 

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die Nadelepilation ist schmerzhaft, aber

für Transfrauen, die weiße/helle Barthaare epilieren müssen, oft der einzige Weg, den störenden Bartwuchs wegzubekommen (zumal es ja immer noch mehr als genug Menschen gibt, die gegen die Behandlung mit Pubertätsblockern Stimmung machen und denen es egal ist, wenn später viel mehr Aufwand und Kosten entstehen, um die Folgen der falschen Pubertät zu beseitigen).

Nachdem ich inzwischen schon viele Epilationssitzungen hinter mir habe, folgende Hinweise (ohne dass ich dafür irgendwelche Sponsoring-Gelder/Werbeeinnahmen bekommen würde):

1. Ca. 1-1,5 Stunden (wichtig: nicht zu kurz vorher, da die Salbe eine längere Einwirkzeit braucht) vor der Nadelepilation die betreffenden Hautoberflächen mit Posterisan Akut Salbe (50mg, Wirkstoff Lidocain) einschmieren (mit Handschuh oder danach eben den Finger sofort reinigen).

2. Ca. 15-20 Min. vor der Epilation beim Zahnarzt auf eigene Kosten eine lokale Betäubung von Oberkiefer oder Unterkiefer per Spritze veranlassen (ca. 30 Euro zahle ich dafür pro Betäubung). Mit 3-4 Spritzen ist man erst einmal ziemlich schmerzfrei, wenn im Zahnbereich epiliert wird bzw. bei der Oberlippe.

3. Nach der Epilation: Kühlen (Klimaanlage im Auto auf volle Leistung stellen) und mit Flammazine zu Hause betroffene Stellen für ca. 1-2 Stunden eincremen. Die Salbe ist rezeptpflichtig und sehr wirksam bei dieser Form von Verbrennungen. Ich habe sie über meine Hautärztin verschrieben bekommen.

Leider gibt es Bereiche am Kinn, bei denen Maßnahme 1+2 nur wenig helfen – da wäre es optimal, wenn man via Infusion Schmerzfreiheit herstellen könnte, aber dazu bräuchte es eine Zusammenarbeit eines MVZ mit einem/r Elektrologist:In – in den Niederlanden wird in der 2-Pass-Clinic eine entsprechende Schmerztherapie per Infusion angeboten. Allerdings braucht man sehr viel Expertenerfahrung, um so eine Behandlung bei der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt zu bekommen. Bei mir ergaben sich ein paar Pigmentflecken, aber die wären vielleicht auch so gekommen…

 

Update: Es gab die Frage, ob man auch im Sommer epilieren kann (wegen des Risikos von Pigmentflecken). Antwort: Meine Elektrologistin klärte mich mit einem ausführlichen Informationsblatt über die Risiken und möglichen Nebenwirkungen auf. Darin stand natürlich auch etwas über mögliche „blaue Flecken“, „Pigmentflecken“ usw… – aber unabhängig von der Jahreszeit. Es wurde aber auch dazu geraten, dringend auch bei normalen Lichtverhältnissen die Haut mehr zu schützen als sonst und mehr Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden, da die Haut während der Zeit der Epilation empfindlicher ist.

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sexualisierte Gewalt und häusliche Gewalt

sind etwas, was mich immer neu stört. Als Seelsorgerin habe ich etliche betroffene Frauen kennengelernt, die mir von ihrem Leid erzählt haben. Ich habe deshalb in der Erlöserkirche Erding eine Gesprächsreihe zum Thema organisiert. Die erste Veranstaltung ist am Do. 7. April um 19.30 Uhr mit Alice Westphal.

Diese und die weiteren Veranstaltungen, die bereits fest stehen, sind auf der Internetseite der evangelischen Kirche in Erding hier veröffentlicht. Die Reihe wird aber auch darüber hinaus bis Mitte 2023 fortgesetzt werden.

 

Im Blick auf Schutzräume habe ich andernorts hier im Blog bereits mehr geschrieben.

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Nachdem eine junge Frau

mich gestern (1.4.2022) bei einer Veranstaltung fragte, ob ich wirklich sicher sei, dass das mit der neuronalen Verankerung des Geschlechts stimmt, war leider nicht mehr viel Zeit, darauf ausführlicher einzugehen. Aber es gibt seit der Forschung von Prof. Milton Diamond viele Publikationen, die in diese Richtung weisen.
Daher möchte ich an dieser Stelle zunächst einmal Milton Diamond zitieren:

„Der entscheidende und auch heute noch gültige
Grundgedanke lautet, dass das Verhalten pränatal organisiert wird, aber erst postnatal aktiviert. Meinen Medizinstudenten nenne ich als Beispiel immer die Menstruation: Sie ist pränatal
organisiert, tritt aber erst während der Pubertät auf, also Jahre später.“ (Zeitschrift für Sexualforschung, 2008, 21, Seite 370).

Diamond beschäftigte sich viel mit den pränatalen Entwicklungen von Säugetieren. Unter anderem beobachtete er auch, was für verhängnisvolle Folgen bzw. Nebenwirkungen das Medikament DES (Diethylstilbestrol) beim Menschen hat und stellte fest, dass Frauen, die in der Schwangerschaft zur Vorbeugung gegen Fehlgeburten dieses Medikament bekamen, später oft von außen gesehen Kinder bekamen, denen zwar das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, die aber sehr stark feminine Züge entwickelten. Einige hatten ihr Geschlecht angeglichen. (vgl.Zeitschrift für Sexualforschung, 2008, 21, Seite 371f)

Sehr massiv wurde die Kontroverse zwischen Milton Diamond und John Money. Money meinte, Geschlecht sei anerzogen (dagegen Diamond: Es ist angeboren und im Gehirn verankert). Er machte ein Experiment mit einem Zwillingspaar und versuchte, David Reimer als Mädchen erziehen zu lassen. Das misslang und trieb Reimer schließlich in den Suizid. Seine Geschichte findet man ausführlich bei Wikipedia.

Neben Milton Diamonds Forschung finde ich besonders auch V.S. Ramachandrans Forschungsergebnisse zur Phantomschmerz- und Phantomkörperwahrnehmung bedeutsam (zumal ich selbst solche Phantomkörperwahrnehmungen seit der Pubertät hatte und auch andere kenne, die davon mir berichteten). Dr. Haupt hat Ramachandrans Forschung ausführlich und sehr gut lesbar in deutscher Sprache im Aufsatz „Sie sind ihr Gehirn“ beschrieben. Zuvor wird Milton Diamonds Position prägnant zusammengefasst:

>Milton Diamond charakterisierte diese neue Position [das neuronale Weltbild, das hoffentlich in einigen Jahren/Jahrzehnten das genitalistische Weltbild im Blick auf Geschlecht ablöst – Anmerkung von D. Zwölfer mit Bezug auf meinen Vortrag am 1.4.2022], in dem er feststellte, dass transsexuelle Menschen bezüglich ihrer Gehirne intersexuell seien, und dass es diese Gehirn-
Intersexualität sei, die einen Menschen dazu bringe, seine oder ihre geschlechtliche Identität zu behaupten. Zusammengefasst: So gesehen haben transsexuelle Menschen ein neurobiologisches
Geschlecht, dass die Geschlechtsidentiät entscheidend präformiert (Hirngeschlecht) und „hervorsticht“. Die andersartigen biologischen Geschlechtsaspekte des individuellen Körpers (chromosomal, hormonell, genital usw.) stehen biologisch-geschlechtlich zu diesem (biologischen) Hirngeschlecht in Kontrast („biologisches Gegengeschlecht“). Metaphorisch: Das „Zentrum“ weist also ein anderes Geschlecht auf als die „Peripherie“.<< (Quelle: Haupt, Sie sind ihr Gehirn, S. 7)

Und ab Seite 24 erläutert Dr. Haupt ausführlich die Forschungsergebnisse von V.S. Ramachandran.

Über die Suchfunktion in diesem Blog findet man viele weitere Hinweise auf Aufsätze und Studien, die mich selbst seit 2012 immer klarer davon überzeugten: Das wichtigste Geschlechtsorgan sitzt zwischen den Ohren… – das „neuronale Geschlecht in mir“ muss im Blick auf ein Weltbild das genitalistisch geprägte Weltbild ablösen.

Dazu noch ein Hinweis für alle, die eine aktuelle Publikation zum Thema „Hirngeschlecht“ lesen wollen. Erst vor kurzem erschien in der medizinischen Datenbank pubmed ein Artikel mit der Überschrift „Brain Sex in Transgender Women Is Shifted towards Gender Identity“ (Hg. Dr. Florian Kurth, Prof. Dr. Christian Gaser, Prof. Dr. Francisco J. Sánchez, Prof. Dr. Eileen Luders) (bei researchgate können Wissenschaftler den Full-Text lesen)

Darin heißt es übersetzt:
„Einige (oder vielleicht alle) der oben genannten Variablen [z.B.genetische Veranlagung und hormonelle Belastungen usw…] können zu neuroanatomischen Variationen beigetragen in Transgender-Gehirnen beigetragen haben, wie wiederholt sowohl in Post-Mortem- als auch in In-vivo-Studien beobachtet wurden, die in den letzten drei Jahrzehnten (!) erschienen sind.“ (die Studien werden natürlich im Anhang des Artikels, den man hier als .pdf frei herunterladen kann, aufgezählt)

Sehr spannend ist auch eine Grafik auf Seite 4 in diesem Artikel der Fachzeitschrift „Journal of clinical medicine“, der im März 2022 veröffentlicht wurde und in der man sehen kann, wie schon vor der Hormontherapie trans* Frauen als Gruppe zwischen Cis-Männern und Cis-Frauen im Blick auf ihr neuronales Geschlecht „in der Mitte“ liegen (statistisch verteilte Messpunkte). Aus dieser Grafik wird ziemlich deutlich, warum die Rede von Neurointersexualität und Varianten der Geschlechtsentwicklung Sinn macht bzw. warum „trans*“ auch als Unterkategorie von Intersexualität auf neuronaler Ebene verstanden werden kann. Ebenso sieht man hier sehr plastisch, wie Geschlecht eben mehr ist als reine Binarität, auch wenn man eine medizinisch-biologische Brille aufsetzt.

Update: Auch in diesem Artikel meines Blogs gibt es etliche Hinweise auf neuere Studien zum Thema „Verankerung des Geschlechts im Gehirn“… (eben upgedatet)

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Am 31.3. ist Transgender Day of visibility – oder

übersetzt: Tag der Sichtbarkeit für LSBTTIQ* – oder nur „TT“ oder NVSD… Eigentlich ist es weniger wichtig, welche Begriffe man verwendet. Ich selbst verwende nach einem Vortrag von Cornelia Kunert auf der internationalen Konferenz 2016 gerne die erste-Person-Perspektive und daher NVSD. Geoutet bin ich nun seit ca. 10 Jahren – angefangen im November 2011 bei meiner Frau, dann ein weiteres Mal bei ihr im August 2012, danach ging es dann einer genauen Reihenfolge nach bei meinem Arbeitgeber weiter mit den internen Coming outs bis hin zum öffentlichen Coming out 2013 nach einem Gottesdienst in Neufahrn i.NB.

Warum ich heute schreibe: Weil in den letzten Monaten einige fundamentalistische Gruppen verstärkt Feindbilder aufbauen wollen und Menschen mit entsprechender Trans*-Biografie ihr Geschlecht absprechen. Dabei wird fleißig jede wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet. Manchmal frage ich mich, woher solche Irrationalität kommt, wenn Studien ignoriert werden und all das, was Neuroforscher zum Thema herausgefunden haben, links liegen gelassen wird.

Tröstlich fand ich da, dass es jemandem wie Prof. Dr. Christian Drosten und Prof. Dr. Sandra Ciesek in der Abschiedsfolge ihres Corona-Podcasts ähnlich ging – auch da wurde deutlich, wie sehr heute manche Imfpgegner völlig irrational handeln und wie unverständlich das renomierten Wissenschaftlern erscheint.

Gleichwohl hoffe ich weiterhin im Sinne der Aufklärung, dass sich irgendwann die Rationalität und Überzeugungskraft der Argumente gegen irrationale Behauptungen von Trans-Exklusiven-Fundamentalistinnen (die Abkürzung scheint mir passend;-) ) durchsetzen werden. Dazu habe ich hier ja andernorts genug gebloggt.

Zum TDoV erschien heute ein Artikel der deutschen Welle: https://www.dw.com/de/international-transgender-day-of-visibility-ein-immerw%C3%A4hrender-kampf/a-61292026 

Leider fehlt im Artikel von Marlon Jungjohann und bei den Künstlern der gesamte neuronale Forschungsstand und so wird fleißig weiter von „gefühltem Geschlecht“ im Gegensatz zum „zugeordneten Geschlecht“ gesprochen. Genau diese schwache Darstellung ist natürlich gefundenes Fressen für Kritiker:Innen, die sagen, dass man sich ja als alles mögliche „fühlen“ kann, aber es eben nicht ist. Ich finde es sehr schade, wenn Medienvertreter immer noch nicht ihre eigene Sprache reflektieren und so einmal mehr transphoben Kräften Auftrieb geben.
Denn eigentlich sollte spätestens seit dem Jahr 2016 klar sein: Wenn das wichtigste Geschlechtsorgan „zwischen den Ohren sitzt“ (derjenige, von dem das Zitat stammt, Prof. Milton Diamond ist Biologe), dann war die Zuordnung des Geschlechts nach der Geburt eben ein Irrtum und die Selbstaussage eines Menschen auf Grund des neuronal verankerten Wissens, dem „Geschlecht in mir“ (wie es der Buchtitel von Gerhard Schreibers Buch auf den Punkt bringt) ist das zentrale Kriterium beim Thema Geschlecht. Wenn die Selbstaussage „Ich bin eine Frau“ oder „Ich bin ein Mann“ oder „Ich bin nichtbinär“ nicht akzeptiert wird, dann respektiert man weder die Würde dieses Menschen (Art. 1 GG) noch gesteht man demjenigen dann meistens die nötigen rechtlichen und medizinischen Schritte zu, damit die Geschlechtskörperdiskrepanz verringert oder aufgehoben werden kann. Und „seins-Aussagen“ aus der ersten Person Perspektive sind etwas anderes als „sich fühlen als…“. Das verstehen hoffentlich auch mal irgendwann die Mehrheit der Medienvertreter.

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So, dann bin ich also in zwei Religionen Mitglied?

So dachte ich, als ich folgenden Satz las, wonach die

„genderkritische Feministin Jane Clare Jones […] das trans*Sein zur Weltreligion erhoben [hat]. Da stehen wir nun mit unserer weltumspannenden trans*Religion. Gut, sie heißt bei Jones vorzugsweise Ideologie, aber für sie als genderkritische Feministin ist Ideologie sozusagen ein Heimspiel. An der Seite ihrer global agierenden Mitstreiterinnen befindet sich Jones zudem im Kriegszustand mit dem trans*Aktivismus. Dem ärgsten und übelsten Feind überhaupt – der kommt sogar noch vor dem Patriarchat. Sollte allerdings jemand auf die Idee kommen, sie TERF zu nennen, also Trans-Exclusionary Radical Feminist, dann wird sie noch böser, denn das sei ja nun pure Diffamierung. Wie heißt es bei Hamlet? „Dies mag zwar Irrsinn sein, hat aber doch Methode.“ (Quelle des Zitats: https://thelittlequeerreview.de/jetzt-ist-es-raus-trans-ist-wie-ein-mittelalterlicher-christlicher-kult?fbclid=IwAR2ANtN7ZBXzHb6ZHtM4aKbzMrfIoBrfIb7MDcBzn21ETAKFyjmAM7aZQ6M)

Ob ich nun demnächst mich vor meinem Dekan oder dem Kirchenvorstand verantworten muss, weil ich nicht nur evangelische Pfarrerin und Christin bin, sondern auch noch in dieser dubiosen Religion dabei?
Spaß beiseite: Natürlich ist so eine Grundannahme Blödsinn. Weder bin ich Mitglied in irgendeiner Ideologie noch in einer anderen Religion aktiv als dem Christentum.
Meine Biografie in den Jahren seit 2011 hat auch nichts damit zu tun, dass mich irgendjemand „bekehrt“ hat, ich sei etwas, was ich ja eigentlich nicht bin…
Außer dass ich mich – nämlich viel früher (1984) bewusst für den christlichen Glauben geöffnet habe – gab es keine Bekehrung zu einer „Transgender-Ideologie“ oder gar „Trans* Religion“.
Mir reicht der christliche Glaube vollauf, um damit glücklich zu sein. Er trägt mich bis heute und gibt mir Kraft. Und ich habe 2011-2013, als das innere und äußere Coming out der Reihen nach Thema waren (ja, es sind nun schon 10 Jahre, dass ich zum Thema blogge), aus dem Glauben letztlich Kraft geschöpft, nicht aufzugeben. Manchmal war ich kurz davor. Besonders, wenn ich immer wieder den Hass und das Unverständnis von Menschen spürte (und davon kann ich leider inzwischen auch viel erzählen).

Aber ich habe daraus den Schluß gezogen, nicht aufzugeben, sondern aufzuklären. Denn dank der Hinweise von Dr. Claudia Haupt lernte ich die Bedeutung der Neurobiologie beim Thema TS näher kennen und auf der internationalen, interdisziplinären Konferenz zum Thema „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften“, die Dr. Gerhard Schreiber an der Goethe-Uni in Frankfurt a.M. 2016 organisierte und maßgeblich durchführte, lernte ich auch Neurobiologen wie Milton Diamond persönlich kennen und konnte all die Fragen stellen, die ich sonst vermutlich nie direkt loswerden konnte.
Um so mehr freut es mich deshalb, wenn Nora Eckert im oben zitierten Beitrag als Replik auf die genderkritische Feministin eine umfassendere biologische Sichtweise einfordert, als es der Genitalismus von Jane Clare Jones zeigt. Eckert schreibt zu Recht:

Jones und ihre Mitkämpferinnen bestreiten, dass es eine angeborene Geschlechtsidentität gebe und wir trans* geboren werden. Genau hier liegt der Hund begraben. Denn ihr biologistisches Weltbild kennt nur Genitalien. Dabei hat die Neurobiologie das, was Geschlechtsidentität genannt wird und Jones als Seele missversteht, längst als biologisches Faktum erkannt, ohne bereits sagen zu können, wie die „Programmierung“ eigentlich aussieht (mit Sicherheit aber nicht wie das kulturell Konstruierte von Gender). Wir sollten außerdem nicht vergessen, dass es da noch ein paar Instinkte aus unserer tierischen Vorgeschichte gibt. Gegen Biologie ist überhaupt nichts einzuwenden, nur dann bitte die ganze! Der schon etwas ältere Lehrsatz lautet jedenfalls: Das zentrale Sexualorgan des Menschen sitzt zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen.<< (a.a.O.) (und damit zitierte Eckert Milton Diamond…)

Danke für diesen Beitrag, Nora Eckert!
Ich widme diesen Blog-Beitrag all den jungen Damen, die mich im Fasching 2011 fragte, ob sie mich schminken dürften (und damit viel mehr ins Rollen brachten, als sie vermutlich sich vorstellen konnten).

Update: In diesem Servicetweet gibt es einen Faktencheck zu vielen TERF-Behauptungen, den man gelesen haben sollte, wenn man diskutieren will…

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Evidenzbasierte Forschung und Informationen

sind mir schon lange ein Anliegen. Allerdings ist es für Nichtmediziner:Innen oft nicht einfach, sich im Dschungel der Studien und Publikationen einen Weg zu bahnen…

Deshalb freue ich mich um so mehr, dass Marisa Kurz auf Scilogs einen sehr informativen Beitrag zum Thema geschrieben hat, den ich hier einfach verlinken will. Ebenfalls informativ ist ein anderer Artikel von Marisa Kurz, in dem sie auf seriöse medizinische Informationen eingeht (unter anderem auch auf Cochrane – darüber schrieb ich hier andernorts schon mehr).

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