Wenn Außerirdische auf Menschen treffen, dann wäre

folgendes Gedankenexperiment denkbar, welches ich mit freundlicher Genehmigung von Jessica G. hier auch öffentlich re-bloggen will:


Gedankenexperiment: Was macht uns Menschen aus?

(Warnung: Folgende Metapher ist bewusst sehr abstrakt gewählt, es geht nicht darum, ob dies medizinisch überhaupt möglich ist, sondern soll die Problematik von Geschlechtszuweisungen veranschaulichen.)

Eine hoch entwickelte außerirdische Zivilisation besucht still und heimlich die Erde. Aufgrund eines defektes an ihrem Raumschiff, müssen sie bruchlanden. Bei der Bruchlandung kommt es zu einer Kollision mit einem einheimischen Kleinfahrzeug, in dem Anne und Klaus sitzen. Beide Innensassen werden schwer verletzt.

Die Außerirdischen haben ein schlechtes Gewissen und wollen den beiden helfen. Jedoch ist der Körper von Anne so schwer verletzt, dass dieser nicht gerettet werden kann, ihr Gehirn ist aber noch in tackt. Bei Klaus ist es genau umgekehrt, das Gehirn ist nicht mehr zu retten, der Hirntod bereits eingetreten, dafür ist jedoch der restliche Körper noch funktionsfähig. So beschließen die Außerirdischen, wenigsten einen von beiden zu retten, indem sie das Gehirn von Anne in den Körper von Klaus transplantieren. Die Außerirdischen verschwinden wieder ohne Spuren zu hinterlassen, auch gibt es am behandelten Körper keine Spuren, wie Narben, welche Rückschlüsse auf diesen Eingriff zuließen.

Frage: Wessen Körper ist das nun? Ist es der Körper von Klaus? Oder, ist es der Körper von Anne?

Anne wacht auf und kann sich an nichts erinnern, sie weiß weder wo Klaus ist, noch was mit ihr passiert ist. Zu ihrem Entsetzen muss sie feststellen, dass ihr Äußeres exakt dem von Klaus gleicht, einfach alles, auch die Stimme. Anne steht nun vor der Herausforderung, dass sie anderen Menschen mitteilen möchte, dass sie Anne ist, und nicht Klaus.

Frage: Wie könnte Anne sich erklären, ohne, dass man sie dabei für verrückt hält?

Wie erwartet, wird Anne nicht verstanden, alle denken, Anne wäre Klaus. Letztendlich macht man ihr ein Zugeständnis, indem sich ihr Umfeld darauf einigt; Es handle sich um Klaus, welcher sich wünscht Anne zu sein.

Frage: Handelt das Umfeld hierdurch im Interesse von Anne und wird ihr damit geholfen?

Anne versucht nun ihr Schicksal zu akzeptieren. Von ihrem Umfeld wird sie mit Klaus und männlichen Pronomen angesprochen. Es gibt keinen Augenblick mehr in ihrem Leben, bei dem sie nicht dieses Unbehagen und den inneren Schmerz körperlich spürt. Diese Symptome werden von ihren Mitmenschen jedoch nicht ernst genommen und man sagt ihr, „er“ solle sich nicht so haben. Anne beginnt an sich selbst zu zweifeln, und leidet mehr und mehr an sozialen Ängsten, Depressionen und Suizidgedanken.

Frage: Braucht Anne medizinische Hilfe?

Anne bitte die Ärzte um Hilfe und möchte ihren Körper an ihr Geschlecht angleichen. Die Ärzte sind ratlos, für sie ist es Klaus mit einem gesunden Körper, ihren Wunsch nach diesen medizinischen Eingriffen bewerten sie als eine psychische Störung, und suchen Rat bei einem „Fachmann“.

Im gleichen Ort lebt Oliver. Oliver trägt gerne Frauenkleidung und nennt sich in der Öffentlichkeit Olivia. Ein körperlicher Leidensdruck liegt bei Oliver nicht vor, auch strebt dieser keine medizinischen Maßnahmen an.

Frage: Lässt sich die Problematik von Anne auf Oliver übertragen? Wäre Oliver der geeignete Fachmann, wenn es darum geht, wie man Anne am besten helfen könnte?

Oliver erklärt den Ärzten, dass Klaus eine Anne-Identität habe, welche therapiert werden müsste. Schließlich müsste man sicherstellen, dass Klaus später die Eingriffe nicht bereut und wieder Klaus sein möchte. Erst wenn alle psychotherapeutischen Mittel ausgeschöpft sind, und nach wie vor ein krankheitswertiger Leidensdruck vorliegt, könne man hormonelle und chirurgische Eingriffe in Erwägung ziehen.

Frage: War Anne einst Klaus gewesen? Ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Anne und dem Arzt überhaupt gegeben, wenn der Arzt die Annahme vertritt, es handle sich bei seinem Patienten um Klaus mit einer psychischen Störung?

Da die Therapie die sogenannte psychische Störung nicht lindern konnte, entschließen sich die Ärzte für den medizinischen Eingriff. Rechtlich spricht man „Klaus“ zu, dass er sich wie Anne fühlt und somit mit weiblichen Pronomen und den Namen „Anne“ angesprochen werden darf.

Frage: Wird Anne von ihrem Umfeld ernst genommen?

Weitere Fragen:

Lässt sich das Geschlecht eines Menschen wirklich eindeutig anhand von Körpermerkmalen wie Genitalien und Chromosomen bestimmen?

Ist der neurologische Dimorphismus des Menschen nicht ein wesentlicher Bestandteil seines Geschlechtes?

Wird man Menschen gerecht, welche von sich sagen, dass bei der Geburt ihnen das falsche Geschlecht zugewiesen wurde, indem man über sie sagt; es seien Männer, welche sich wie Frauen fühlen, bzw. Frauen, welche sich wie Männer fühlen?

Sollte man nicht besser von Frauen mit männlichen Körpermerkmalen, bzw. von Männern mit weiblichen Körpermerkmalen sprechen?


 

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2 Kommentare zu Wenn Außerirdische auf Menschen treffen, dann wäre

  1. Maria Mayer sagt:

    Gibt es hier keinen „Gefällt mir“-Button?

    • doro sagt:

      nee, habe ich bei WordPress bislang noch nicht entdeckt 😉 – vielleicht gibt es ja entsprechende Plugins? Mal sehen. Mir ist es wichtiger, dass Beiträge via sozialen Medien gut teilbar sind und dafür fand ich diesen Beitrag hilfreich…

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