empirische Untersuchungen zum biologischen Geschlecht gibt

es inzwischen viele, die verdeutlichen, dass es einen Berg an Studien und Reviews zur anatomischen, genetischen und funktionellen Geschlechtsdiversität gibt.

Hier mal einige Beispiele (neben den vielen, die ich im Blog an anderer Stelle erwähnt habe):

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26656201/

und das Ergebnis der Studie im Abstract:
Wide variability exists in the appearance of female external genitalia. Sexual function does not appear to be associated with genital dimensions. This information is important for both women and surgeons when considering cosmetic vulvar surgery.

übersetzt:

Es gibt eine große Variabilität im Blick auf das Aussehen weiblicher äußerer Genitalien. Die sexuelle Funktion scheint nicht mit den äußerlich sichtbaren Genitalien zusammenzuhängen. Das ist besonders für Frauen und Chirurgen wichtig, die über kosmetische Operationen an der Vulva nachdenken.

Die Vielfalt an Ausprägungen von neuronal verankerten Varianten der Geschlechtsentwicklung und ihre genetische Verankerung sind Thema dieses Reviews:

„The Biological Contributions to Gender Identity and Gender Diversity: Bringing Data to the Table“, hier als Abstract zu finden:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29460079/

Bemerkenswert finde ich im Abstract diesen Satz:

Based on the data reviewed, we hypothesize that gender identity is a multifactorial complex trait with a heritable polygenic component.

übersetzt:

Auf Grund der untersuchten Daten gehen wir davon aus, dass Geschlechtsidentität ein multifaktoriell komplexes Merkmal mit einer vererbbaren polygenetischen Komponente ist.

Ebenso wichtig folgendes Statement:

We argue that increasing the awareness of the biological diversity underlying gender identity development is relevant to all domains of social, medical, and neuroscience research and foundational for reducing health disparities and promoting human-rights protections for gender minorities.

übersetzt:

Wir argumentieren, dass die Sensibilisierung für die biologische Vielfalt die der Entwicklung der Geschlechtsidentität zu Grunde liegt, relevant ist für alle Bereiche der sozialen, medizinischen und neurowissenschaftlichen Forschung. Sie ist grundlegend für den Abbau von Ungleichheit im Gesundheitswesen und Förderung der Menschenrechte bei geschlechtlichen Minderheiten…

Und noch ein lesenswertes Review mit dem Titel „Gender Dysphoria: A Review Investigating the Relationship Between Genetic Influences and Brain Development von Ferdinand Boucher (Universität Exeter) und Tudor Chinnah mit vielen Literaturhinweisen am Ende, der als full-Text kostenfrei (Stand 6.1.2022) downloadbar ist: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7415463/pdf/ahmt-11-89.pdf

D.h. beim Thema geht es keineswegs um „Transgender-Ideologie“, wie manche einfach faktenfrei postulieren, sondern um biologische Zusammenhänge, die freilich manchen Querdenkern zu komplex sein mögen, um sich damit zu beschäftigen.
Für alle anderen gilt, ähnlich wie bei Sars-CoV2: Es ist gut, sich mit den biologischen Fakten auseinanderzusetzen, wenn man sich mit dem Thema „Transsexualität“, „Transidentität“ bzw. Varianten geschlechtlicher Entwicklung und deren Hintergründen und Ursachen bzw. Ätiologie beschäftigt.

Leider ist das in vielen Medienartikeln oft noch zu wenig der Fall, da rührende Geschichten über die „Umwandlung von Herrn M zu Frau S“ mehr Umsatz bringen, als ein etwas mühevoll recherchierter Doku-Beitrag über die biologischen Hintergründe und die Feldforschung zum Thema. Cool wäre es, wenn es wenigstens einen Podcast zum Thema geben würde, in dem ähnlich wie zu Sars-CoV2 (Podcasts des MDR (Kekule) oder NDR (Drosten/Ciesek)) Wissenschaftsjournalisten die Fachwissenschaftler der Biologie/Neurobiologie/Genetik usw… interviewen würden… – vielleicht wäre das mal was an guten Vorsätzen für 2022 bei einer Redaktion des BR, NDR oder einer anderen Rundfunkanstalt?

 

 

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2 Antworten zu empirische Untersuchungen zum biologischen Geschlecht gibt

  1. Helga Hedi Denu sagt:

    Oder wir übernehmen das vorwurfsfrei selbst mit dem Podcast. Bin dabei

    • doro1964 sagt:

      Gute Idee, aber mir wäre es wichtig, dass eine Wissenschaftsredaktion (bzw. Leute mit naturwiss. Studium als Hintergrund) sich um die Interviews der Experten kümmern – ich selbst habe zu wenig Zeit im Alltag, mich um Detailfragen bei Studien zu kümmern und als Theologin auch nur oberflächliche Ahnung von biologisch/chemischen/neurologischen Fragen, wenn es in die Tiefe gehen soll – aber genau das wäre hilfreich, wenn man Fakten präsentiert. Mai Thi Nguyen-Kim ist da z.B. eine von denen, die das sehr gut können, aber sie hat eben auch eine fachliche Qualifikation…

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